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AKTUELL KI im Gesundheitswesen 11/2019

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre App oder den Roboter

Digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen steht in Deutschland der größte Teil der Bevölkerung aufgeschlossen gegenüber: Dies fand eine Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. heraus. Mehr als die Hälfte der Befragten würden sich für eine Arztpraxis entscheiden, die sich für die Kommunikation zu Terminvereinbarungen oder Untersuchungsbefunden einer App bedient.

 

Das deutsche Gesundheitswesen steht derzeit massiv unter Druck. Es geht um die Digitalisierung, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn per Gesetz forcieren will. Unter anderem sieht sein Entwurf die Kostenübernahme für digitale Anwendungen, die Ärzte ihren Patienten verschreiben, durch die gesetzlichen Krankenkassen vor. Dazu zählen beispielsweise App-Tagebücher für Bluthochdruck- oder Diabetespatienten. Die Zulassung solcher Lösungen soll vereinfacht und verkürzt werden, sodass sie gesetzliche Krankenkassen schneller in ihr Erstattungssystem aufnehmen können.

Diese Initiative findet die absolute Zustimmung des BVDW. „Dieser längst überfällige Ansatz kann eine Initialzündung für die Digitalisierung des Gesundheitswesens bedeuten“, erklärt Vizepräsident Achim Himmelreich (Capgemini). Vor allem der Leistungsumfang gesetzlicher Krankenkassen basiere bisher auf einem sehr starren und trägen System, das der Entwicklungsgeschwindigkeit der allermeisten digitalen Anwendungen einfach nicht gerecht werde. Spahns Grundgedanke, gesetzlichen Krankenkassen zu ermöglichen, gezielt in entsprechende Start-ups zu investieren, sieht Himmelreich ebenfalls als einen positiven Ausgangpunkt: „Das dürfte das nötige Kapital mobilisieren, um die Entwicklung digitalern Medizinanwendungen attraktiver zu machen.“

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HOHE AKZEPTANZ: Laut Experten würden ganze 58 Prozent der Bundesbürger eine Arztpraxis, eine Klinik oder eine Krankenkasse bevorzugen, die ihre Kommunikation mit ihnen per App abwickelt.


Doch was denken die Hauptbetroffenen, also die Patienten? Sie betrachten ebenfalls den Einsatz digitaler Anwendungen im Gesundheitssektor als eine lobenswerte Sache, beantwortet eine aktuelle vom Institut für Marktforschung, Meinungsforschung, Sozialforschung und Marketingberatung in Deutschland Kantar TNS durchgeführte BVDW-Studie diese Frage. Laut der Untersuchung würden ganze 58 Prozent der Bundesbürger einen Arzt, eine Praxis, eine Klinik oder eine Krankenkasse bevorzugen, die mittels einer App mit ihnen enger kommunizieren, Terminvorschläge und -erinnerungen senden oder über die App den Austausch von Röntgenbildern und Befunden einfacher gestalten würde.


KEINE FRAGE DES ALTERS


Dabei spielt das Alter keine vorrangige Rolle. Zwar ist die Zustimmung bei den 16- bis 24-jährigen Befragten mit 62 Prozent ziemlich hoch, doch sie erreicht mit 54 Prozent auch bei den 55- bis 64-Jährigen ein gutes Niveau. „Die Art, wie Menschen ihr alltägliches Leben organisieren, hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert und daraus resultiert auch eine gewisse Erwartungshaltung“, kommentiert Himmelreich die Ergebnisse der Umfrage. Nun bestehe die Herausforderung darin, Bereiche wie das Gesundheitswesen entsprechend weiterzuentwickeln, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Gerade die ältere Zielgruppe, die im Schnitt häufiger medizinische Leistungen in Anspruch nehme, werde von einer Erweiterung des bestehenden Angebots um digitale Leistungen profitieren.
Insbesondere im medizinischen Bereich soll künstliche Intelligenz ein erhebliches Potenzial haben. So regten 57 Prozent der im Rahmen der BVDW-Studie befragten Bürger an, Ärzte sollen dazu verpflichtet werden, künstliche Intelligenz als automatisierte Zweitmeinung in die Untersuchung miteinzubeziehen, wenn sie Krankheiten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit erkennen beziehungsweise Diagnosen treffender erstellen kann als Menschen.

„Beispiele dazu wie etwa auch im Bereich der Hautkrebserkennung geben uns einen Eindruck vom Potenzial künstlicher Intelligenz“, erläutert Himmelreich. „Hier geht es mitnichten darum, die Mediziner zu ersetzen – Ziel ist es, ihnen mit technischen Hilfsmitteln zu noch präziseren Diagnosen zu verhelfen.“ 

Graziella Mimic

 

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Bilder: shutterstock

 
 
 
 

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