Aktuelles

Aktuelle Ausgabe

AUF DEN PUNKT GEBRACHT 11/2019

Kategorie: Aktuelle Ausgabe
AUF DEN PUNKT GEBRACHT 11/2019

Wir sind für Sie da …

Liebe Leserinnen und Leser, kennen Sie auch diese Anrufbeantworter, die Ihnen an verschiedensten Stellen unseres täglichen Lebens mitteilen: „Sie rufen außerhalb unserer Dienstzeit an. Gerne sind wir ab ... wieder für Sie da“ oder „In dringenden Fällen hinterlassen Sie bitte eine Nachricht.“?!

Häufig legen Sie sicher sofort enttäuscht wieder auf. Vielleicht denken Sie aber auch manchmal: „Na ja, stimmt – die müssen ja auch einmal Feierabend haben“ oder ganz einfach: „Okay dann rufe ich halt morgen früh oder auch am nächsten Montag wieder an.“

Es gibt aber in unserem Gesundheits- und Sozialwesen auch Menschen oder Gruppen, die immer für Sie da sind. Das sind zum Beispiel im Notfall (aber längst nicht allein) die Feuerwehren unserer Städte und Gemeinden und viele andere mehr. So auch Ärztinnen und Ärzte, Schwestern und Pfleger und, und, und … Abstrakt oder „grundsätzlich“ vertritt jeder die Meinung, dass dies eine erfüllende, wichtige und bewundernswerte (!) Arbeit ist.

Aber: Ist das auch für die Mehrzahl der Angehörigen des Gesundheitssystems in der ureigenen Lebenserfahrung individuell und persönlich spürbar? Nein – dies wird kein „Gejammer“ über Stress, Pflegekräfte- und Ärztemangel oder schlechte Arbeitsbedingungen. Das wollen Sie wahrscheinlich auch gar nicht hören. Aber: Ja – die Arbeitsbedingungen im Gesundheitssystem, im Pflege- und Arzt- und anderen patientenzentrierten Berufen sind im Laufe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte in vielerlei Hinsicht deutlich schwieriger geworden. 

 

Budde

 

 

 

  

Prof. Dr. med. Thomas Budde,
Ärztlicher Direktor, Chefarzt, Klinik für
Kardiologie, Elektrophysiologie,
Gastroenterologie und Intensivmedizin
am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen

 

 

Gerade besonders gute Kräfte leiden darunter, aufgrund der Personalanzahl im Verhältnis zur anfallenden Betreuung von Patienten ihre Ideale, Vorstellungen, Ziele und Ambitionen in der täglichen Arbeit am Patienten nicht mehr in der Freiheit, Ruhe, Gelas-

senheit und Zuwendung realisieren zu können, wie sie sich das eigentlich wünschen.

Ein Geschäftsführer eines Krankenhauses, den ich persönlich sehr schätze, hat mir vor einiger Zeit einmal gesagt: „Ja, Herr Budde, Ressourcen sind immer knapp. Von dem Ort, an dem sie nicht knapp sind, sind wir vor etwa 2.000 Jahren vertrieben worden.“ Wird es also jetzt doch ein Wehklagen und Jammern? – Nein!

(Gegenseitige!) Wertschätzung ist in diesen Zeiten das große „Zauberwort“! Eine kleine Geschichte: In unserem Krankenhaus fährt täglich ein „Reinigungsmann“ mit einer ziemlich lauten Maschine über die Gänge. Er hört fast nur: „Das ist aber laut“ – „Wir machen gerade Visite, muss das wirklich sein?“ – „Dieser Krach nervt total. Machen Sie das mal aus“ und Ähnliches. Einmal habe ich ihm gesagt: „Ich finde es toll, dass Sie das für uns hier machen. Unsere Patienten und ich freuen uns darüber, dass Sie es uns so schön sauber machen.“ Wir begrüßen uns seitdem stets mit einem „wissenden“ Lächeln ...

In der letzten Woche bin ich mit einer Kollegin, die einen Lehrstuhl der Pflegewissenschaften innehat, mit der Bahn gefahren. Nennen Sie es Schicksal, Fügung oder wie auch immer: Neben uns saßen in der Bahn zwei uns bis dato unbekannte junge Krankenschwestern, die auf verschiedenen Kinder-Intensivstationen eines Universitätsklinikums arbeiten. Wir saßen „leider“ im Ruhebereich des Zuges und wir haben uns wirklich bemüht, nur zu flüstern (einige werden sich jetzt möglicherweise zu Recht über uns ärgern), aber es ergab sich ein spannendes (Flüster-)Gespräch. Beide erlebten die relativen Mangelsituationen auf ihrer Station als schwierig, hatten aber keinesfalls die Freude an ihrer originären Tätigkeit verloren. Das ist eine gute Botschaft! Auf der einen Station hatten gerade fünf Schwestern/Pfleger gekündigt, die andere Station konnte sich über acht (!) Neueinstellungen freuen. Der Grund, so die eine der beiden Schwestern: „eine Führungskraft, die einfach Klasse ist, das Team, das einfach toll ist, und ganz besonders wichtig: die immer wieder erlebte Wertschätzung der Arbeitgeber und der Eltern, ganz besonders aber die Freude an den Kindern, für die wir da sind.“

Die Menschen des Gesundheitswesens, wo auch immer diese jeweils ihren Tätigkeiten in unserer Gesellschaft und unserem Gesundheitssystem nachgehen, sind für Sie, die Menschen, die sich ihnen in Krankheit mit dem Wunsch nach Hilfe und in Gesundheit mit dem Wunsch nach Beratung und Tipps anvertrauen, da. Immer! Natürlich aber auch nicht immer auf der Stelle und sofort! Die vielen Menschen, die ihrem Beruf mit Freude nachgehen, vergessen das nie. Sie wollen gute Bedingungen für ihre wertvolle Arbeit. Sie freuen sich über Anerkennung und Lob. Sie müssen auch offen für berechtigte Kritik sein. Sie wünschen sich genau den Umgang, den auch Sie sich in Ihrem Arbeitsumfeld wünschen!

Unser Gesundheitssystem braucht solche Menschen dringender denn je! Diese Menschen ermöglichen gute Pflege, Quantensprünge in der medizinischen Entwicklung und in medizinischen Techniken, Hilfe, menschliche Begegnungen, Nähe, fachliche, menschliche und soziale Kompetenz.

In dieser Spezialausgabe von FACTS hat die Redaktion wieder spannende und interessante Themen aktueller medizinischer Behandlungsangebote und Diagnoseverfahren zusammengestellt und für Sie, wie ich finde, hervorragend aufbereitet. Diese Errungenschaften leben von den Menschen, die sie entwickeln und tagtäglich erbringen, und werden/wurden einzig für die Menschen, die sich unserem Gesundheitssystem und den darin arbeitenden Menschen anvertrauen, entwickelt und erbracht.

Die Fülle der Aufgaben und Belastungen, ja – auch die Sachzwänge und Rahmenbedingungen, oder auch andere real existierende Probleme – sind oft nicht einfach zu bewältigen und gehen immer wieder „ans Eingemachte“. Umso mehr freut man sich (auf beiden Seiten) über Wertschätzung und einen positiv-motivierten Umgang miteinander.

Lassen Sie sich als Interessierte oder auch als Patienten im positiven Sinne auf diese Wechselbeziehung ein. Lassen Sie die Menschen in den Gesundheitsberufen auch einmal ganz persönlich fühlen, dass Sie sich über ihr Dasein und ihre Arbeit zu Ihrem Nutzen freuen. Freuen Sie sich über innovative diagnostische und therapeutische Angebote und verleihen Sie dieser Wahrnehmung auch aktiv gegenüber den leistungserbringenden Personen Ausdruck. Es könnte vielleicht ein zusätzlich großartiges und schönes Erlebnis auch für Sie werden! Denken Sie an den Reinigungsmann in unserem Krankenhaus …

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und interessante neue Einsichten beim Lesen dieser FACTS-Gesundheits-Spezialausgabe! 

Herzlichst
Ihr Thomas Budde 

 

KORRESPONDENZANSCHRIFT

Prof. Dr. med. Thomas Budde
Vorsitzender „Essen. Gesund. Vernetzt. –
Medizinische Gesellschaft e. V.“
Chefarzt der Klinik für 
Kardiologie, Elektrophysiologie, 
Gastroenterologie und Intensivmedizin

Alfried Krupp Krankenhaus Essen
Alfried-Krupp-Straße 21
D-45131 Essen
Tel.: 0201-434-2524/2525
Fax: 0201-434-2376
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Artikel als PDF

 

Foto: shutterstock

 

 ddd

Aktuelles/Dialog

IN KONTAKT TRETEN

FACTS Verlag GmbH

Theodor-Althoff-Straße 45 • 45133 Essen

(+49) (0) 201 87 126 800

(+49) (0) 201 87 126 811