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AKTUELL Ergonomie am Arbeitsplatz 11/2015

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

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Der Leistungsträger im Büro ist nicht die Technik, sondern der Mensch. Daher sollten die Arbeitsbedingungen so gestaltet sein, dass sie sowohl die Gesundheit als auch die Motivation der Mitarbeiter bestmöglich unterstützen. Wie sich vorhandene Bürosituationen auswerten und optimieren lassen und wie die individuellen Vorstellungen der Mitarbeiter Berücksichtigung finden – dazu hat Karl-Heinz Lauble, Geschäftsführer der Lauble-Consult GmbH und seit über 30 Jahren als Berater in der Arbeitsplatz- und Bürogestaltung tätig, eine eigene Nutzwert-Analyse für Büroarbeitsplätze entwickelt.

FACTS: Herr Lauble, Sie als Verfechter einer neuen Kultur der Gesundheit im Unternehmen empfehlen, die Mitarbeiter eines Unternehmens aktiv an der Planung, Durchführung und Bewertung der gesundheitsgerechten Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen zu beteiligen. Wie bewerten denn Mitarbeiter im Allgemeinen ihre Arbeitsumgebung?

Karl-Heinz Lauble: Was der einzelne Mitarbeiter von seinem Arbeitsplatz hält, wie er ihn bewertet, das bestimmt oft weniger sein Verstand als sein Gefühl. Subjektive Vorlieben, festgefahrene Vorurteile oder irrationale Tradition leiten in vielen Fällen das Urteil über die Qualität des Arbeitsplatzes. Und dabei gehen die Meinungen von Managern, Planern und den betroffenen Menschen im Büro in der Regel weit auseinander.
FACTS: Also ist eine objektive Bewertung des Arbeitsplatzes beziehungsweise seines Nutzwerts schlichtweg unmöglich?
Lauble: Ich denke doch: Für eine objektive und nachvollziehbare Bewertung der Qualität von Arbeitsplätzen haben wir eine spezielle Nutzwert-Analyse für Büroarbeitsplätze entwickelt. Diese ermöglicht eine systemische und rasche Bewertung der Bürosituation, berücksichtigt individuelle Vorstellungen der Mitarbeiter und sieht den Arbeitsplatz als System, das bestimmte Erfordernisse befriedigen und bestimmte Probleme lösen muss. Insgesamt 17 Faktoren bilden dieses System, die sich in vier Gruppen zusammenfassen lassen: Belastung, Motivation, Organisation und Sicherheit. Zu den Belastungen zählen zum Beispiel Büromöbel, die die körperlichen Gegebenheiten des Menschen nicht beachten, Lärm, visuelle und akustische Unruhe, unzureichende Beleuchtung, ungesunde Luft. Motivationsfaktoren sind die Farbgestaltung, Corporate Design, Personalisierung des Arbeitsplatzes, Privatsphäre sowie Kontakte zu Kollegen. Zu den Organisationsfaktoren  gehören die Arbeitsplatz- und Gruppenablage, Ablauforganisation sowie die Flexibilität von Arbeitsplatz und Raum. Schließlich bilden Sicherheitstechnik und Kabelführung die Gruppe der Sicherheitsfaktoren.

FACTS:Und wie erfolgt die weitere Analyse?
Lauble: Die Nutzwert-Analyse erfolgt in zwei Schritten. Im ersten Schritt legt jeder Mitarbeiter seine persönliche Prioritätenrangfolge fest, indem er die 17 Faktoren einzeln nach subjektiver Relevanz gegeneinander abwägt. Zum Beispiel: Halte ich den Belastungsfaktor Lärm für wichtiger, gleich wichtig oder weniger wichtig im Vergleich zum Faktor ungesunde Luft. Im Durchschnitt werden die Faktoren Lärm und die Anthropometrie, das bedeutet die Anpassung des Arbeitsplatzes an die Körpermaße, als die wichtigsten bewertet. Auf den weiteren Rängen folgen zumeist visuelle Störungen, die Beleuchtung, das Klima sowie der Wunsch nach Privatsphäre. Nur in einem guten Umfeld lässt sich dauerhaft gute Leistung erbringen, daher sollten akustische und visuelle Störfaktoren gemindert werden. Das lässt sich mit dem Einsatz sogenannter Organisationspanels der ergopanel AG erreichen, die einen Schall- und Sichtschutz bieten und eine störungsarme Privatsphäre schaffen. Im Übrigen beruhen unsere Durchschnittswerte auf einem immensen Erfahrungsschatz. Seit 1982 haben wir mehr als 20.000 Arbeitsplätze bei mehr als 250 Unternehmen gestaltet – vornehmlich in Deutschland, aber auch in Europa und den USA.

FACTS: Und was erfolgt im zweiten Schritt der Analyse?
Lauble: In diesem bewerten die Angestellten die tatsächlich vorhandene Qualität ihres Arbeitsplatzes. Mit ihren jeweiligen Idealvorstellungen vor Augen beurteilen sie den Ist-Zustand der 17 Faktoren an ihrem Arbeitsplatz. Der jeweilige Abgleich des Ist-Zustands mit der Prioritätenrangfolge liefert den Arbeitsgestaltern und Büroplanern nun wertvolle Hinweise darüber, welche Komponenten des Büroarbeitsplatzes bei der Planung genau beachtet werden sollten, um den Bedürfnissen der Mitarbeiter gerecht zu werden. Mit unserem Ansatz rücken wir den Menschen und seine Arbeitsaufgabe konsequent in den Mittelpunkt der Betrachtung. Eine Planung und Gestaltung, die das unberücksichtigt lässt, führt zwangsläufig zu Problemen wie Stress durch Ablenkung oder hohe Fehlerquoten – im schlimmsten Fall gar die innere Kündigung.

 

KarlHeinzLauble

 

„Mit unserem Ansatz rücken wir den Menschen und seine Arbeitsaufgabe in den Mittelpunkt der Betrachtung.“

Karl-Heinz Lauble, Geschäftsführer der Lauble-Consult GmbH

 

FACTS: Worin bestehen die konkreten Vorteile dieser Form der Analyse?
Lauble: Die Mitarbeiter besonders eng in die Planung und die Gestaltung der Arbeitsumgebung mit einzubinden, hat den Vorteil, dass die Mitarbeiter ihren eigenen Arbeitsplatz quasi selbst realisieren. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Motivation und Leistungsbereitschaft aus – wichtige Voraussetzungen für die Steigerung der Qualität der Arbeit insgesamt. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation hält in diesem Zusammenhang Produktivitätssteigerungen in Höhe von 36 Prozent für möglich. Am Ende also hat die Qualität der Arbeitsplätze einen unmittelbaren Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit und damit auf den Erfolg des jeweiligen Unternehmens.

INFO:Vier zentrale Elemente
Unter Anthropometrie versteht man die Lehre der Ermittlung und Anwendung der Maße des menschlichen Körpers. Vorwiegend wird dieser Ansatz im Bereich der Ergonomie, insbesondere bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen sowie im Arbeitsschutz zur Festlegung von Sicherheitsmaßnahmen verwendet.  In diesem Zusammenhang beschäftigt sich Lauble-Consult mit der Anpassung des Arbeitsplatzes an die Körpermaße des Nutzers. „Drei Viertel der Beschäftigten in Büros klagen über Schmerzen“, sagt Karl-Heinz Lauble. „Die auf den Nutzer abgestimmte Arbeitshöhe im Sitzen und Stehen und der ausreichend große Beinraum verhindern Rücken- und Schulterprobleme und erhöhen die Leistungsfähigkeit. Mit einer ausreichend großen Tischfläche kann der Nutzer die Arbeitsmittel flexibel anordnen.“ Darauf basierend lassen sich vier zentrale Elemente im Büro definieren: Arbeitstisch, Arbeitsstuhl, Stauraum und Organisationspanel.

Daniel Müller

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Fotos: iStockphoto LP

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