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FACTS ARENA Diktiergeräte 11/2018

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Das beste Pferd im Stall

In der FACTS-Arena stehen sich zwei Flaggschiffe gegenüber: die High-End-Mobildiktiergeräte von Olympus und Philips. Man sieht ihnen die unterschiedlichen Gewichtsklassen sofort an. Aber wer weiß? Schließlich hat David auch gegen Goliath gewonnen.

 

Auch an der Diktiertechnik geht der Trend zur rasanten Digitalisierung nicht vorbei. Es wurde Zeit, dass FACTS sich die am Markt erhältlichen Premiumgeräte für mobiles Diktieren genau ansieht – von den führenden Herstellern Olympus und Philips. Preislich unterscheiden sich die beiden Flaggschiffe deutlich voneinander: Das Philips SpeechAir ist fast 200 Euro teurer als das Olympus DS-9500. Ob es das wert ist?

Höchstwahrscheinlich: Schon beim Anblick hatten die FACTS-Redakteure den Eindruck, dass es zu einem ungleichen Kampf wie zwischen Smartphone und Klapphandy kommen wird, doch immerhin handelt es sich bei beiden Modellen um das beste Pferd im Stall, deshalb hat ein Vergleich durchaus seinen Reiz und seinen Wert. Das Philips SpeechAir hat vor gut zwei Jahren schon den FACTS-Einzeltest mit „sehr gut“ absolviert.

Das Olympus DS-9500 kommt wie ein klassisches Diktiergerät daher – mit Schiebeschalter, schlichtem optischem Display, Bedien- und Funktionstasten. Das Philips SpeechAir hingegen funktioniert ähnlich wie ein Smartphone; es verfügt neben dem Schiebeschalter über einen erheblich größeren Touchscreen, über den alle Menüpunkte verfügbar sind: Das ist weitaus übersichtlicher als die verborgenen Funktionen bei seinem Widersacher. Vor allem beim Zurückspulen des Diktats hoben die Redakteure die Erleichterung hervor, weil man einfach weiter vorn auf den Balken klicken kann, statt die Taste lange zu drücken.

SMARTPHONE GEGEN HANDY

Während das Olympus DS-9500 ein reines Diktiergerät mit Mobilfunktionen ist, sieht das Philips SpeechAir mit seinem großen Touchdisplay nicht nur wie ein Smartphone aus, es funktioniert auch Android-basiert. Damit haben Entwickler sogar die Möglichkeit, neue Features und Apps einzubringen. Standardmäßig sind bereits Apps installiert – etwa ein Taschenrechner, ein Kalender, eine Kontaktverwaltung und natürlich die Philips-Diktierapp. Mit ihr kommt man in den Diktiermodus, der sich über den Schiebeschalter bedienen lässt. Den Zugang zu vorhandenen Aufnahmen und die Einstellungen erreicht man hingegen per Touch auf die Reiter – echt selbsterklärend, fanden die Testredakteure, dort kommt man schnell weiter und Neulinge finden sich sofort zurecht. Demgegenüber kritisierten es die Redakteure beim Olympus DS-9500 als viel aufwendiger und unübersichtlicher, sich durch die Menüs rauf- und runterzuklicken. Zu seinem Display ist anzumerken, dass sich die Helligkeit zwar in drei Stufen einstellen lässt, doch nur die hellste davon empfanden die Redakteure als hell genug.

 

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UNGLEICHES RENNEN: Der Touchscreen des Philips SpeechAir ist erheblich größer als das Display des Olympus DS-9500. Auch in der Funktionsvielfalt ist Philips überlegen – vom Bedienkomfort ganz zu schweigen.

 

 

Beide Geräte machen einen soliden Eindruck und liegen gut in der Hand. Philips hat sein SpeechAir mit einer antimikrobiellen Oberfläche ausgestattet, die vor allem Ärzte zu schätzen wissen. Olympus hat sein Gerät mit zwei, Philips seines mit drei Mikrofonen ausgestattet. Bei beiden ist die Empfindlichkeit in drei Stufen einstellbar – „ungestört“, „mit Hintergrundgeräuschen“ und „Konferenz“. Bei Olympus stellt man diese drei Modi manuell ein, allerdings sieht man beim Diktat nicht, in welchem man sich gerade befindet, ein echtes Manko. Die Mikrofone des Philips-Geräts werden automatisch gesteuert: Im Diktiermodus kann es mit der nützlichen Sprachaktivierung statt dem Schiebeschalter arbeiten, indem es die Aufnahme startet, sobald es die Stimme vernimmt; bei Pausen stoppt es vorübergehend. Den Konferenzmodus mit 360-Grad-Richtmikrofontechnik startet es, wenn das Gerät auf den Tisch gelegt wird. Das SpeechAir passt sich dann automatisch an die Aufnahme von Gesprächen oder Meetings an. Bei der Aufnahmequalität beurteilten die Redakteure beide Geräte als exzellent, in Verbindung mit Hintergrundgeräuschen war das Philips SpeechAir tatsächlich ein bisschen überzeugender. Die Spracherkennungssoftware Dragon Naturally Speaking, die der Hersteller Nuance für den Test zur Verfügung gestellt hat, konnte beide Geräte gleichermaßen gut verstehen und hat Diktate nahezu fehlerfrei verschriftlicht. Beim Lautsprecher war die maximale Wiedergabelautstärke von Philips SpeechAir etwas zu leise.

Die mobilen Funktionen betreffen vor allem die Übertragung der Audiodateien ins System beziehungsweise zur Schreibkraft. Das Olympus DS-9500 nutzt dabei WLAN, das Philips SpeechAir WLAN oder Bluetooth und kann mithilfe der Mail-App auch verschlüsselte E-Mails verschicken.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Philips SpeechAir ist die integrierte Kamera. Diese fand die gesamte Redaktion ausgesprochen hilfreich: Ein Arzt kann damit direkt in der Sprechstunde seine Sprachnotizen mit einem Foto verbinden und so beispielsweise den Heilungsprozess einer Wunde dokumentieren und nachverfolgen. Da das Foto anders als bei einer externen Kamera dem Diktat zugeordnet werden kann, ist eine Verwechslung kaum noch möglich. Ebenso ist ein Sachverständiger in der Lage, vor Ort sein Gutachten mit Bildern zu versehen, die getroffene Einschätzungen noch genauer dokumentieren.

FAZIT

Beide Diktiergeräte bewegen sich auf höchst professionellem Niveau. Während Olympus sein aktuelles Diktiergerät um Mobilfunktionen erweitert hat, hat Philips für den Mobilbereich etwas ganz Neues entwickelt, das den Bedürfnissen der Digital Natives und neuen Zielgruppen gerecht wird. Das war schon vor mehr als zwei Jahren, und interessanterweise hat Olympus diesen Vorsprung bis heute nicht aufgeholt.

Der Kampf zwischen Wählscheibentelefon und Smartphone ist entschieden. Traditionsverhaftete Diktierer kommen sicher mit beiden Geräten gut zurecht. Für Neueinsteiger, die an klare Symbole und Wischtechnik gewöhnt sind, ist das Olympus-Gerät keine Option. Technisch schnitt das Philips SpeechAir in den meisten Punkten im FACTS-Test etwas besser ab. Ein Unterschied besteht im Preis. Für den höheren Preis hat das SpeechAir allerdings auch deutlich mehr zu bieten: insbesondere den Touchscreen und die 8-Megapixel-Kamera, die allein schon den Mehrpreis rechtfertigen. Darüber hinaus bietet Philips mit dem sicher verschlüsselten Cloud-Diktiersystem SpeechLive eine durchdachte Ergänzung zum Gerät an. Gesendete Diktate können direkt über den Browser mit Kopfhörer und Fußschalter abgeschrieben werden. Optional beinhaltet das System auch eine professionelle Spracherkennung, die das Diktat verschriftlicht und als Textdokument automatisiert auf das SpeechAir zurücksendet: ganz so, wie man es von der modernen Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts erwarten darf.

Anja Knies/Jonah Jeschonneck

 

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