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FACTS ARENA Telefonkabinen 6/2019

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Comeback der Telefonzelle

In Ruhe zu telefonieren kann in offenen Bürolandschaften manchmal ganz schön schwierig sein. Wer sich einen privaten Rückzugsort wünscht, der kann die dafür entwickelten Phoneboxen nutzen. Diese erinnern an die guten alten Telefonzellen und wurden für den Einsatz im Büro aufgelegt. Zwei dieser Telefonkabinen – Mikomax Hush und Inwerk Phonix – hat FACTS einem Vergleich unterzogen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hieß es „bye bye Telefonzelle“. Das letzte gelbe Exemplar wurde erst vor einigen Wochen abgebaut. Wo sie noch vor 20 Jahren oft die letzte Rettung war, wenn man von unterwegs jemanden erreichen und in Ruhe sprechen wollte, so scheint sie bei mehr als 57 Millionen Smartphonenutzern allein in Deutschland eigentlich überflüssig. Und doch tauchte die Telefonzelle vor einiger Zeit quasi wieder aus der Versenkung auf – allerdings nicht draußen am Straßenrand, sondern im Büro. Und auch wenn die Telefonzelle 2.0 grundsätzlich zum Telefonieren gedacht ist, hat sie heute ganz neue Funktionen bekommen: Mitarbeiter können sie nutzen, um beispielsweise in einem Open-Space-Büro geschäftliche oder vertrauliche Telefongespräche zu führen oder Dinge am Laptop zu bearbeiten, ohne gestört zu werden und ohne andere zu stören. Durch die teils transparenten Glaswände bleiben sie aber immer noch mitten im Geschehen und Teil des Teams.
Grundsätzlich eine gute Idee, findet die FACTS-Redaktion, denn der Lärmpegel in Großraumbüros kann auf diese Weise gesenkt und das Wohlbefinden der Mitarbeiter gleichzeitig gehoben werden. Aber: Stellt man sich wirklich für eine halbe Stunde oder länger in eine solche Kabine, um zu telefonieren? Und ist man auch wirklich ungestört, das heißt, dringen kaum Geräusche von innen nach außen und andersherum?

AUSSTATTUNG UND SCHALLISOLIERUNG

FACTS hat sich zwei Modelle unterschiedlicher Hersteller genauer angeschaut und hinsichtlich ihrer Schallisolierung beziehungsweise akustischen Eigenschaften, Raumausnutzung, Belüftung, Beleuchtung und Montage (wichtig für die Flexibilität) angeschaut: die Modelle „Mikomax Hush“ sowie „Inwerk Phonix“, die preislich rund 1.000 Euro auseinander liegen.

Beide machen auf den ersten Blick einen sehr guten, stabilen Eindruck und haben eine schöne Optik, die sich problemlos in moderne Arbeitsumgebungen integrieren lässt. Bei Inwerk gibt es sogar eine optisch dazu passende Möbelserie namens „Masterbox“, wodurch ein einheitliches Gesamtbild gewährleistet wird. Trotz der Größe einer Telefonzelle, wie man sie bereits kennt, machen sie keinen besonders wuchtigen Eindruck, sondern wirken durch die an zwei Seiten eingesetzten Glasscheiben „leicht“ und fügen sich beide „unauffällig“ in die Umgebung ein. Viel wichtiger als die Optik war den FACTS-Testern allerdings das Innenleben: Womit sind die Telefonzellen ausgestattet, wie viel Platz hat eine Person dort jeweils und wie schalldicht sind die Phoneboxen?

Inwerk Phonix kommt mit abnehmbaren und austauschbaren magnetischen Wandelementen daher, die sich auch von außen werkzeuglos anbringen lassen. Außerdem befindet sich im Inneren eine unauffällige LED-Lichtleiste an der Tür sowie ein fest montiertes Element, das als Sitz oder als Tisch nutzbar und in der Höhe verstellbar ist. Die entsprechende Hubsäule ist übrigens auf einem stabilen Querträger befestigt – beim Sitzen wackelt nichts, man hat ein sicheres Gefühl, egal ob man 50 oder 100 Kilogramm auf die Waage bringt. Kleiner Nachteil: Das Element lässt sich nicht herausnehmen und nimmt dadurch in der Kabine bei Nichtgebrauch unnötig Platz weg.
Im Vergleich dazu gibt es bei Mikomax einen einzigen Lichtspot, der aber völlig ausreicht, und keine vorhandene Sitzmöglichkeit in der Phonebox; möchte man sitzen, muss man sich extra einen Hocker reinstellen. Ein kleiner Tisch lässt sich dafür aus der Wand heraus ausklappen, wodurch er nur bei Gebrauch Platz in Anspruch nimmt. Nachteil: Er lässt sich nicht in der Höhe verstellen und dadurch nur im Stehen nutzen. Zwei weitere Dinge nehmen bei der Mikomax-Box aber Platz weg: eine Säule, in die unter anderem die – vergleichsweise laute – Lüftung eingebaut ist, sowie die sehr dick gepolsterten, nicht herausnehmbaren Wände, die die Nutzfläche auf 0,67 Quadratmeter beschränken. Im Vergleich: Bei dem Inwerk-Produkt hat man mit 0,95 Quadratmeter rund ein Drittel mehr Platz im Inneren.
Zwei Sachen noch, bevor wir zu den akustischen Messungen kommen: In der Inwerk-Phonebox riecht es relativ neutral, in Mikomax dagegen stark nach den verwendeten Materialien. Das stört zunächst sehr, bis man sich nach einigen Minuten daran gewöhnt hat. Neben dem Geruch war allerdings der Lüfter der größte Störfaktor bei Mikomax. Er ist nicht nur deutlich zu hören und im Vergleich viel lauter als bei Inwerk (wo der Lüfter außerhalb der Kabine in einer separaten Masterbox versteckt ist) – er befindet sich auch noch bei Menschen ab einer Körpergröße von 1,80 Meter auf Ohrhöhe. Die Testpersonen empfanden das Telefonieren schon nach kurzer Zeit als nicht besonders angenehm, weil in der Kabine durch das Lüftergeräusch am Ohr eine leichte Unruhe herrschte. Dabei sollen die Kabinen ja als kleine produktive Ruheräume genutzt werden …

 

Messung

mikomaxso hush und Phonix von Inwerk

TELEFONKABINEN: Links MIKOMAX Hush und rechts INWERK Phonix
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Apropos Geräusche: Die Unterschiede bei den akustischen Messungen waren zwar nicht sehr groß, aber dennoch messbar und spürbar. Allein im „Ruhezustand“ (ohne akustische Signale, bei normaler Lautstärke außerhalb der Kabine) lassen sich in den Kabinen 35 Dezibel bei Inwerk und 39,5 Dezibel bei Mikomax auf Brusthöhe messen. Die gleiche Messung auf Kopfhöhe hat bei Inwerk exakt den selben Wert ergeben, bei Mikomax schlug das Messgerät aber auf 48 Dezibel aus – klar, auf der Höhe befindet sich auch der bereits erwähnte Lüfter.

LAUTE SITUATION SIMULIERT

Durch den Einsatz einer Musikbox mit ein und demselben Lied, jeweils gleichem Abstand zum Messgerät und zur Telefonbox und identischer Lautstärke für alle Messungen (85 Dezibel direkt an der Box gemessen) wurde eine extrem laute Situation simuliert – einmal innerhalb der Kabine, um zu sehen, ob sehr laute Telefonate die Kollegen stören würden, und einmal außerhalb der Kabine, um festzustellen, ob laute Umgebungsgeräusche bestmöglich gefiltert werden. Die Werte sind der Tabelle (siehe unten) zu entnehmen. Was besonders deutlich wurde: Mikomax Hush zeigt immer leicht höhere Dezibelwerte im Vergleich zu Inwerk Phonix an, bis auf eine Ausnahme: Befand sich die Musikbox genau einen Meter außerhalb der Telefonkabine, haben die Tester in beiden Fällen 52 Dezibel gemessen. Und auch wenn das Messgerät gleiche Werte anzeigte, war die subjektiv gefühlte Lautstärke bei Mikomax Hush höher – durch den lauten Lüfter „surrte es von allen Seiten“, wie einer der Tester bemerkte. Insgesamt war es innen etwas unruhiger als bei Phonix.

Als letzter Punkt wurde noch die Mobilität beziehungsweise Flexibilität geprüft, schließlich sollen sich die Boxen bei Bedarf im Unternehmen idealerweise ohne großen Aufwand verschieben lassen, in einen anderen Raum oder bei einem Umzug. Hier fällt auf, dass Mikomax Hush mehr als doppelt so viele Bestandteile hat wie Inwerk Phonix und dort eine Selbstmontage nicht möglich ist – damit auch kein Ab- und wieder Aufbau, im Gegensatz zu Inwerks Box. Allerdings haben sich beide Kabinen im Test mit etwas Manpower problemlos verschieben lassen, sodass in beiden Fällen Flexibilität gegeben ist. Was aber bei aller Flexibilität beachtet werden muss: Da in beiden Cubes Stromanschlüsse vorhanden sind, ist es natürlich ein Muss, entsprechende Anschlussmöglichkeiten in der Nähe zu haben. 

FAZIT

Ob sich alle Mitarbeiter für eine halbe Stunde oder sogar länger zum Telefonieren oder Arbeiten in eine Telefonkabine stellen würden, lässt sich schlecht sagen – Fakt ist aber: Allein die Möglichkeit zu haben, für kurze Zeit ungestört und privat arbeiten zu können, ist toll, gerade in Großraumbüros. Geräusche dringen bei beiden Kabinen nur bis zu einem gewissen Grad durch (bei Inwerk ist die Isolierung etwas besser als bei Mikomax), sodass der Zweck definitiv erfüllt ist. Ein paar Abzüge gibt die Redaktion bei der Mikomax-Version für den vergleichsweise lauten Lüfter sowie für den etwas unangenehmen Geruch.

Anna Köster/Klaus Leifeld

Bewertung Arena

 

Die komplette, ausführliche ARENA mit weiteren interessanten Tabellen: Hier im Download 

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 Foto: Shutterstock, Hersteller

 
 
 
 

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