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Mystery-Shopping Mobilfunk 7-8/2015

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Ausweg aus dem Tarifdschungel

Mobilität und Flexibilität gewinnen in der Berufswelt immer mehr an Bedeutung. Ein Smartphone, das der Arbeitgeber seinen Angestellten zur Verfügung stellt, erlaubt diesen, auch unterwegs jederzeit mit ihrem Unternehmen kommunizieren zu können. Im Rahmen eines Mystery-Shoppings verglich FACTS verschiedene Tarifangebote der großen Mobilfunkanbieter.

Die Redaktion versetzte sich in die Lage eines Unternehmens, das zehn Mitarbeitern ein „Dienst-Smartphone“ mit einem entsprechenden Vertrag zur Verfügung stellen möchte. Im Internet wurde zuerst nach einem passenden Angebot gesucht, danach wurden auch die Shops der Anbieter direkt vor Ort besucht. Schnell stand man vor der Frage, ob sich spezielle Business-Tarife wirklich lohnen und wo eigentlich die Unterschiede zu den Privattarifen liegen.

Wie bei allen FACTS-Mystery-Shoppings legte FACTS zuerst die Anforderungsspezifikationen fest, mit denen sie als fiktives Unternehmen an die Mobilfunkanbieter 1&1, Vodafone, O2 und T-Mobile herantreten wollte. Die Mobilfunkverträge sollten eine Flatrate für SMS und Anrufe in alle deutschen Netze bieten sowie mindestens drei Gigabyte Datenvolumen mit LTE(Long-Term-Evolution)-Geschwindigkeit beinhalten. Bei der Wahl des im Vertrag enthaltenen Mobilfunkgeräts entschied man sich für das Apple iPhone 6 mit einer Speicherkapazität von 64 Gigabyte. Die Laufzeit der Verträge sollte 24 Monate betragen. Da die Recherche aus der Sicht eines Unternehmens geführt werden sollte, stieß man zuerst auf den Internetseiten der Dienstleister auf die Bereiche für Geschäftskunden. Die Angebote für Privatpersonen wurden erst einmal außen vor gelassen. Schnell war jedoch klar, dass der Unterschied zu Normaltarifen fast ausschließlich im Bereich der inkludierten Freiminuten und Datenvolumina für das Ausland lagen.

Denn die zusätzlichen Leistungen der Business-Verträge wirkten sich deutlich auf die Preise aus. Ein Businessangebot mit fünf Gigabyte LTE-Datenvolumen und SMS- sowie Telefonie-Flatrate hätte auf den ersten Blick durchaus in Betracht kommen können – wenn da nicht der hohe Preis gewesen wäre, der für zehn Verträge inklusive zehn iPhones über 20.000 Euro in der gesamten Laufzeit betragen hätte.

PRIVATANGEBOTE

„Aufgrund des hohen Preises recherchierte die Redaktion weiter. Irgendwo musste es doch auch günstige Angebote geben. Da es sich um ein Auftragsvolumen von gleich zehn Verträgen handeln sollte, versuchte ein Redakteur unter dem Deckmantel eines erfundenen Unternehmens, die Mobilfunkanbieter auch telefonisch zu erreichen, um gegebenenfalls noch andere Tarife zu bekommen oder Mengenrabatte ausschöpfen zu können. Das war ein voller Erfolg, denn viele Anbieter kamen uns preislich entgegen: So wollte die Telekom beispielsweise den einmaligen Anschlusspreis von 299,50 Euro (bei zehn Verträgen) erlassen und O2 bot einen 4-Euro-Preisnachlass für die ersten zwölf Monate für jeden Vertrag an. Vier Euro sind auf den ersten Blick zwar nicht viel, doch bei zehn Verträgen sind das immerhin 480 Euro. Die telefonische Beratung war bei allen Anbietern sehr freundlich und in den meisten Fällen auch hilfreich.

Nachdem im Internet die verschiedenen Angebote für Geschäftskunden durchforstet waren, wurde die Suche auf die Angebote für Privatanwender ausgeweitet. Diese passten viel besser zu den gestellten Anforderungen – auch abseits der „großen“ Anbieter. Sehr schnell lag ein Internetangebot von 1&1 vor, das nahezu 3.000 Euro unter den bisherigen Verträgen lag. Die LTE-Geschwindigkeit betrug hierbei zwar nur 25 Mbit/s (50–75 Prozent langsamer als bei der Konkurrenz), aber ansonsten kamen die Leistungen den FACTS-Anforderungen schon sehr nahe.

Um auch noch die persönliche Beratung zu testen, machte sich ein Redakteur auf den Weg in die Essener Innenstadt, um die jeweiligen Geschäftslokale der Mobilfunkanbieter als Abgesandter eines Unternehmens aufzusuchen. Vielleicht ließen sich ja hier noch bessere Angebote erzielen.

BESUCH VOR ORT

Dieser Versuch war es wert, denn alle Angebote, die vor Ort gemacht wurden, lagen, wie die Tabelle auf der nächsten Doppelseite zeigt, deutlich unter den Online-Preisen. Einzig von 1&1 konnten wir kein entsprechendes Angebot bekommen, da der Anbieter keine eigenen Shops für seine Mobilfunktarife führt. Das beste Angebot kam aus der Geschäftsstelle von Vodafone: Mit den eingeräumten Rabatten lag der End-Gesamtpreis bei knapp 11.100 Euro – das sind circa 4.700 Euro weniger als der Preis, der bei einem Online-Vertragsabschluss angefallen wäre.

Insgesamt wurde man bei allen Anbietern gut beraten, bei der eigentlichen Angebotserstellung gab es jedoch deutliche Unterschiede: So wurde dem FACTS-Redakteur nur bei dem O2-Händler ein professioneller und ordentlicher Ausdruck des Angebots übergeben. Alle anderen händigten nur handschriftliche Angebote aus. Diese waren zwar bei T-Mobile völlig in Ordnung und leserlich, bei Vodafone gab es allerdings nur eine Art Schmierzettel, der für Außenstehende kaum zu entziffern und nicht nachzuvollziehen gewesen wäre.

Aber nicht nur in der Qualität ihrer Darstellung, sondern auch preislich lagen die Angebote weit auseinander. Die Preisspanne erstreckte sich von knapp über 11.000 Euro bis zu über 15.000 Euro. Die Leistungen waren jedoch alle sehr ähnlich. Einzig O2 bot 1,5 Gigabyte mehr Datenvolumen als alle anderen aufgrund einer zum Angebotszeitpunkt laufenden Aktion (dafür jedoch nur die halbe Geschwindigkeit verglichen mit Vodafone und T-Mobile).

Das einzige Angebot, das über dem entsprechenden Online-Preis lag, kam von T-Mobile. Dort wurde zwar dasselbe Paket mit Family Card (eine Hauptkarte zum „Normal-Preis“ und neun vergünstigte „Family-Karten“) empfohlen, jedoch gab es zu dem Zeitpunkt online einen Rabatt von 6 Euro pro Monat auf die Hauptkarte.

Fazit: Es lohnt sich ein Preisvergleich im Internet, aber auch in jedem Fall vor Ort, ganz besonders wenn die Anschaffung mehrerer Geräte auf einmal geplant ist. Oft gibt es Rabatte, die ein Laie im Internet nicht findet. Falls der Besuch vor Ort aus zeitlichen Gründen nicht möglich ist, sollte man sich zumindest die Zeit für einen Anruf beim Mobilfunkanbieter nehmen, denn auch so kann man Rabatte aushandeln. Es gilt, stets alle Angebote genau unter die Lupe zu nehmen. Leistungen wie beispielsweise eine Auslands-Flatrate, die nicht gebraucht wird, sollte man auch nicht bezahlen wollen.

 

Bewertung Beratung:

 

O2: Der FACTS-Mitarbeiter wurde professionell beraten und hat einen ordentlichen Ausdruck des Angebotes erhalten, der alle wichtigen Infos enthielt. Die Beratung war sehr zügig und informativ.

T-Mobile: Die Angebotserstellung erfolgte handschriftlich, aber ordentlich. Leider war das Angebot außerordentlich knapp beschrieben, weswegen der Redakteur in dem Shop noch mal anrufen musste, um sich nach den Angebotsdetails zu erkundigen. Die Beratung hat in der T-Online-Filiale sehr lange gedauert, da der Verkäufer zwischenzeitlich in sein Büro gehen musste, um weitere Infos einzuholen.

Vodafone: Das handschriftliche Angebot, das dem Redakteur mitgegeben wurde, war ein Blankopapier, auf dem der Verkäufer kreuz und quer geschrieben hat (siehe Foto). Um das Angebot zu verstehen, musste der Redakteur mehrmals in dem Shop anrufen, um sich nach den Angebotsdetails zu erkundigen. Die Beratung an sich war jedoch sehr freundlich.

Christoph Schwantes

 
Foto: iStockphoto LP

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