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FACTS MYSTERY SHOPPING Reinigungsservice 9/2018

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Und wer macht Ihre Haus-Aufgaben?

Bei dem alltäglichen Säubern von Büros mitsamt Sanitär- und Küchenbereichen durch einen spezialisierten Dienstleister sprechen Fachleute von Unterhaltsreinigung.
Einen solchen Service hat FACTS angefragt und über manche Angebote gestaunt.

Das Erscheinungsbild eines Unternehmens kommt einer Visitenkarte gleich. Staubige Regale und schmierige Türklinken verschrecken Besucher – ganz zu schweigen von mangelnder Hygiene in den Sanitärbereichen. In gepflegten Räumen hingegen fühlen sich Mitarbeiter wohl und Gäste willkommen.

In keinem Unternehmen kümmern sich die Mitarbeiter um die Sauberkeit. Selbst kleinste, freundschaftlich organisierte Start-ups merken schnell, dass sie ohne Hilfe nicht klarkommen, denn das Geschäft hat immer Priorität. Kleine Unternehmen beschäftigen oft eine Reinigungskraft auf Stundenlohn- oder 450-Euro-Basis und überbrücken deren Krankheitstage und Urlaubszeiten in Eigenregie. Doch schon ab einer größeren Fläche, auf der sich mehrere Arbeitsplätze, Toiletten und Küchenbereiche befinden, lohnt es sich, einen professionellen Dienstleister in Anspruch zu nehmen. Dieser organisiert nämlich zuverlässig Vertretungen, sodass Arbeitsausfälle nur in ganz großen Ausnahmen vorkommen.

Jüngst hatte der FACTS Verlag zusammen mit dem GW Verlag und dem European Hospital Verlag als Bürogemeinschaft im Essener Büropark Bredeney einen solchen Bedarf und hat sich daher umgesehen. Dabei hat die FACTS-Redaktion den Markt gründlicher beleuchtet, als es für die eigenen Zwecke notwendig gewesen wäre, um die Leser von ihren Erfahrungen profitieren zu lassen. Bei neun großen, überregional tätigen Anbietern wurde ein Angebot für die Unterhaltsreinigung eingeholt als Grundlage für einen Vergleich, der sich gelohnt hat.

Manche der Anbieter haben ein standardisiertes Formular im Internet, über das mit wenigen Angaben ein Angebot angefordert werden kann: Kontaktdaten, gewünschter Turnus, Quadratmeterzahl. Der Informationsgehalt solcher Auskünfte ist sehr gering, und so kamen denn auch gar keine Angebote oder es gab Rückfragen wie „Wissen Sie vielleicht den Stundenaufwand pro Reinigung?“ – eine Frage, die eigentlich der Dienstleister selbst beantworten sollte, noch dazu ausgerechnet von der CAN Gebäudereinigung, die auf ihr knappes Formular hin ein individuelles Angebot innerhalb von 24 Stunden verspricht.

MAGERES ANFRAGEFORMULAR

Da die Anfrageformulare so stark standardisiert sind, kann die Leistungsbeschreibung also nicht sehr präzise vorgenommen werden: Turnus einmal wöchentlich (obwohl zumindest die Toiletten gern häufiger gesäubert werden sollten), Quadratmeterzahl rund 700. Bei den weniger standardisierten Formularen konnten die Angaben etwas genauer ausfallen, doch der Vergleichbarkeit wegen wurden sie ähnlich gehalten: einmal wöchentlich die normale Reinigung, in größeren Abständen oder bei Bedarf zusätzliche Reinigungsarbeiten wie Staubwischen. Die Fenster werden vom Gebäudebetreiber geputzt.

700 Quadratmeter, das sollte man wissen, sind für einen großen Dienstleister eine verschwindend geringe Fläche. Dafür folgt ein Angebot nur, wenn weitere Serviceaufträge in der Nähe zu erledigen sind und das „kleine Büro“ quasi nebenbei mitgenommen werden kann, sonst lohnt sich das für ihn nicht: Für die Fläche im Büropark Bredeney mit fünf Sanitärräumen, zwei Teeküchen und in allen anderen Bereichen Teppichboden setzt ein Dienstleister lediglich zweieinhalb Stunden an – dafür allein kommt er nicht oder es wird sehr teuer, weil die Anfahrt in die Berechnung einfließt. Vermutlich aus diesem Grund haben sich zwei der neun angeschriebenen Unternehmen gar nicht zurückgemeldet (Kötter Services und Immobilien Service Deutschland), und WISAG hat nach der Rückfrage zum genauen Standort ebenfalls kein Angebot eingereicht. Dass jedoch nicht einmal eine Absage erteilt wurde, ist dieser professionellen, großen Dienstleister nicht würdig. Klüh Service Management hat immerhin eine Absage geschickt, allerdings erst nach zwölf Tagen.

CAN Gebäudereinigung und Dussmann Service Deutschland vereinbarten Besichtigungstermine vor dem Angebot, Tiger Facility Services fragte vorab telefonisch ein paar relevante Eckdaten ab, Krüger & Krüger Unterhaltsreinigungen sowie Piepenbrock erstellten ihre Angebote blind. Während Piepenbrock lediglich „gemäß Ihrem Leistungsverzeichnis“ angab, das es in der Form gar nicht gegeben hatte, lieferten Krüger & Krüger (nach nur drei Stunden!), Tiger und CAN (gleich nach der Besichtigung) als Anhang zum Angebot einen umfassenden und anschaulichen Leistungskatalog. Darin waren – allerdings zu vergleichsweise stolzen Preisen – getrennt nach Büroräumen, WC und Sanitärbereich sowie Küchen und Pausenräumen – alle erdenklichen Tätigkeiten einschließlich Entstauben von Fußleisten und Entfernen von Spinnweben aufgelistet: Das schafft Vertrauen.

Die Firmen Dussmann und CAN machten sich vor Ort ein Bild von den Räumlichkeiten. In diesen persönlichen Gesprächen kamen auch individuelle Wünsche zur Sprache, beispielsweise, ob der einwöchige Turnus auch für die Toiletten und Küchenabfälle gelten soll. So kamen im Anschluss Angebote zustande, die den Bedürfnissen der Bürogemeinschaft wirklich entsprechen.

KLARE ENTSCHEIDUNG

Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten von Dussmann. Zwar lassen die detaillierten Angebote von CAN, Tiger und Krüger & Krüger auf einen sehr guten Service schließen, doch waren sie im Vergleich einfach zu teuer. Das günstige, aber sehr magere Blindangebot von Piepenbrock konnte kein Vertrauen wecken.

Bald wird sich herausstellen, ob die zweieinhalb Stunden realistisch sind und ob in der Zeit Ergebnisse erzielt werden, mit denen die Bürogemeinschaft zufrieden ist und sich in ihren Räumen weiterhin wohlfühlt.

Anja Knies 

 

 

Bild2

IM REINEN: Gepflegte Büroräume wirken auf Besucher wie eine liebevoll gestaltete Visitenkarte. Auch die Mitarbeiter fühlen sich in einer sauberen Umgebung wohl.

 

 

 INFO

Die Anfrage „online“ verlief über das normale Kontaktformular mit einem Freitext. Über das „Onlineformular“ hingegen wurden lediglich Eckdaten abgefragt: Kontaktdaten, Quadratmeterzahl und gewünschter Turnus. Mit Verbrauchsartikeln sind Seife, Hygienepapiere und Spülmittel gemeint. Darauf hingewiesen werden soll, dass kein Anbieter ein Angebot dafür machte, um von vornherein mit einem Rundum-sorglos-Paket aufzuwarten, erwähnten jedoch, dass man die Materialien über sie beziehen kann.

Tabelle2

 

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 Fotos: shutterstock

 
 
 
 

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