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FACTS TITEL Digitalisierung 2-3/2017

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Hype oder nicht Hype …

… das ist hier die Frage. Manche sprechen von einem kurzfristigen Trend, andere von Revolution – eins ist jedenfalls sicher: Digitalisierung ist in aller Munde und wirkt sich bereits auf unser Privat- sowie auf unser Arbeitsleben aus. Doch wie sieht es in Unternehmen konkret aus? Wie weit sind Betriebe mit der Anpassung ihrer Arbeitsabläufe und Geschäftsmodelle an die neuen Gegebenheiten? Und welche Hürden müssen sie noch nehmen?

Wenn es derzeit ein Thema gibt, das die Aktualität beherrscht und Wirtschaft, Gesellschaft und sogar Politik intensiv beschäftigt, dann ist es die Digitalisierung, die auf alle Bereiche unseres Lebens Einfluss nimmt – so auch auf die Arbeitswelt. Doch was versteckt sich hinter dem vollklingenden Begriff? Gemeint ist die Entwicklung von Technologien, die es erlauben, Daten in elektronischer Form zu erfassen und aufzubereiten, zu speichern und zu übertragen. Der Einsatz dieser digitalen Technologien und die Bereitstellung der Daten, die sie produzieren, um Unternehmen und Organisationen zur Schaffung neuer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu verhelfen, wird als digitale Transformation bezeichnet. Doch geht diese weit über den durch die technischen Mittel und die daraus entstehenden Kundenerwartungen in der Wirtschaft stattfindenden Veränderungsprozess hinaus und tangiert zahlreiche Aspekte unserer Gesellschaft und unseres Alltags.

WAS IST DAS?

„Digitale Transformation ist, wenn wir Bücher nicht mehr im Laden um die Ecke kaufen, sondern online das E-Book, das sofort auf unserem Lesegerät auftaucht“, erläutert der Bitkom e.V. auf anschauliche Art und Weise den viel zitierten Ausdruck. „Digitale Transformation ist, wenn immer mehr Menschen das Programmfernsehen links liegen lassen und lieber Filme über Streaming-Anbieter anschauen. Wenn wir kein Babyphone kaufen, sondern unser Smartphone mit einer App dafür nutzen. Digitale Transformation ist, wenn Ärzte Patienten per Video-Chat beraten oder die Röntgendiagnose von einem telemedizinischen Zentrum kommt. Und wenn uns unser Auto nach der Feier autonom nach Hause fährt und sich anschließend selbtständig einen Parkplatz sucht.“

ABSOLUTER MEGATREND

Die zunehmende Bedeutung dieses „Megatrends“ haben viele Unternehmen verstanden und streben eine Anpassung ihres Angebots an den digitalen Wandel an – wirtschaftsweit. „Die digitale Transformation betrifft alle Branchen, zum Beispiel die Finanzbranche, das Gesundheitswesen aber auch die Tourismusunternehmen“, sagt der Bitkom e.V. „Erfreulich ist, dass 96 Prozent aller deutschen Unternehmen die Digitalisierung als Chance sehen – also fast alle.“ Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine aktuelle Kurzumfrage des Freiburger Softwareherstellers United Planet: „83 Prozent der Unternehmen möchten in diesem Jahr stärker in die Digitalisierung von Geschäftsprozessen investieren. Jedes zweite Unternehmen plant sogar deutlich höhere Investitionen in diesen Bereich als 2016.“ Für die Untersuchung wurden 189 IT-Verantwortliche deutscher Unternehmen befragt. Der Schwerpunkt lag im gehobenen Mittelstand. Lediglich ein sehr geringer Teil – 2,1 Prozent – der Befragten messe der Digitalisierung von Geschäftsprozessen eine sehr niedrige strategische Relevanz bei.

 

Feldmann

„Das Büro der Zukunft wird von Kommunikation und Interaktion in offenen Landschaften geprägt. Durch smarte Bürolösungen lassen sich Motivation und Kreativität sowie nicht zuletzt auch Leistung und Produktivität der Wissensarbeiter nachhaltig sichern."

PETER H. FELDMANN, Ergonomiespezialist und Projektleiter SMART.OFFICE
bei der König + Neurath AG

 


 

KOMPLEXE ANGELEGENHEIT

Der Wille ist also da, doch sehr oft hapert es an der Umsetzung. Dafür scheint es verschiedene Gründe zu geben. „Zu geringes internes Know-how wird als größter Bremsklotz für die digitale Transformation bewertet (von 18 Prozent der Befragten)“, fanden die Experten von United Planet heraus. „Auf Platz zwei der Hindernisse kommt eine fehlende strategische Ausrichtung (15,3 Prozent). Diese wird gefolgt von einem – trotz der scheinbar steigenden Investitionsfreudigkeit – zu niedrigen Budget (13,8 Prozent). An Einfällen mangele es dagegen nicht: Nur 4,2 Prozent geben an, keine Ideen für Anwendungsfälle zu haben. Die Frage sei eher, wie und mit welchen Mitteln Digitalisierungsprojekte umgesetzt werden. In der Tat ist digitale Transformation eine komplexe Angelegenheit und stellt Unternehmen vor immense Herausforderungen. Eine unabdingbare Voraussetzung, um diese Hürden zu nehmen, ist das Verständnis der neuen digitalen Welt, ihrer Merkmale und der Umbrüche, die sie in unseren Arbeitsalltag mit sich bringt. Zu diesen Eigenschaften gehören neben hocheffizienten Technologien auch der – durch diese Technologien entstandene – jederzeitige Zugang zu Informationen von jedem Ort aus sowie die zunehmende Mobilität der Wissensarbeiter und die Nutzung der sozialen Netzwerke. In vielen Branchen verändern sich die Arbeits- und Führungsstrukturen, ein neues Mitarbeiterbild kommt zustande. Dieser neue Mitarbeiter braucht ein auf die neuen Anforderungen abgestimmtes Arbeitsumfeld. Speziell die IT-Mittel sollten neue Arbeitsweisen unterstützen können. „Digitale Transformation bedeutet für die europäischen Unternehmen, fundamentale Veränderungen vorzunehmen“, besagt die aktuelle, von Matrix42 unterstützte PAC (Pierre Audoin Consultants)-Studie „Digital Workplace in Europe“. Die Ziele der Digitalisierung seien zwar unterschiedlich – Erhöhung der Agilität, Verbesserung der Servicequalität, Prozessoptimierungen oder Innovationsförderung; zentraler Ausgangspunkt für die Veränderungen sei aber stets die Arbeitsumgebung der Mitarbeiter: „Die Performance der Mitarbeiter ist entscheidend in der digitalisierten, internationalen Wissenswirtschaft. Dementsprechend weisen drei Viertel der von PAC befragten IT- und HR-Manager in Europa und sogar 90 Prozent der in Deutschland Befragten der Qualität der IT-Arbeitsumgebung große Bedeutung für den Unternehmenserfolg zu.“

KEINER TUT ETWAS

Es scheint also, als ob es alle verstanden hätten. Der Haken dabei: Keiner tut richtig etwas. Das Wissen um die Bedeutung der Workplace-Modernisierung spiegelt sich bei der Mehrheit der Unternehmen bislang noch nicht in deren Investmentagenda wider“, haben die Studienverfasser festgestellt. „Derzeitige Digitalisierungsinitiativen zielen primär auf die Verbesserung der Interaktion mit den Kunden, die Einführung von Internet-der-Dinge-Infrastrukturen sowie von Big-Data-Lösungen.“ Wurden Projekte zur Arbeitsplatzmodernisierung früher jedoch in erster Linie aus Effektivitätsgründen angegangen, müsse nun die Realisierung bestimmter Geschäftsziele im Mittelpunkt stehen wie etwa eine erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit oder die Förderung von Zusammenarbeit und Innovation. Nicht zuletzt auch gelte es, höchsten Sicherheitsansprüchen zu genügen und Kosteneffizienz zu schaffen. „Die Zeit, in der es ausreichend war, neue Endgeräte oder neue Applikationen einzuführen, ist vorbei. Die anspruchsvollen Digitalisierungsziele der Unternehmen sind nur mit modernen, integrierten IT-Arbeitsplatzumgebungen zu erreichen. Viele Unternehmen werden daher ihre Budgets entsprechend ausrichten und sich am Markt nach geeigneten, ganzheitlichen Lösungen umsehen, mit denen sich diese Ziele bei gleichzeitig professionellem Betrieb und Service inklusive hoher Anwenderausrichtung und (Daten-)Sicherheit erreichen lassen“, erklärt Oliver Bendig, CEO von Matrix42. Höchst bedenklich: Im europäischen Vergleich hinken deutsche Unternehmen bei der Modernisierung der Arbeitsplätze laut der Studie deutlich hinterher. Dies gelte insbesondere für die Einführung von Cloud-Lösungen und bei der Implementierung von flexiblen Nutzerkonzepten.

VIEL LUFT NACH OBEN

Doch nicht nur im Bereich der technischen Mittel stellt Digitalisierung neue Anforderungen an die Arbeitsplätze. „Das Büro der Zukunft wird sich stärker an die durch Digitalisierung und Globalisierung veränderten Arbeitsabläufe, Kommunikationsbedürfnisse und neue Modelle der Zusammenarbeit anpassen“, lautet das Fazit der im Auftrag der Messe Frankfurt für die Paperworld – eine führende Fachmesse für Papier, Bürobedarf und Schreibwaren – vom Pragma Institut durchgeführte Studie „Working Spaces 2025“. Immerhin seien 61 Prozent der befragten deutschen Büroarbeiter der Meinung, sie brauchen flexiblere Strukturen in der Büroumgebung und möchten in Zukunft nicht mehr auf einen einzigen räumlich bestimmten Arbeitsplatz im Unternehmen festgelegt sein. Dies auch, wenn die Mehrheit von ihnen es ablehnt, in Cafés, Parks oder anderen öffentlichen Räumen zu arbeiten. „Umso wichtiger wird es für Unternehmen, ihren Mitarbeitern eine offene Bürolandschaft mit Rückzugs- sowie mit flexiblen Meeting-Möglichkeiten zu schaffen“, meinen die Studienverfasser, deren wichtigste Erkenntnis lautet, die Büroumgebung stelle derzeit ein erhebliches Hindernis für Effizienz und Arbeitszufriedenheit in den Unternehmen dar. „Das Büro der Zukunft wird von Kommunikation und Interaktion in offenen Landschaften geprägt“, bestätigt Peter H. Feldmann, Ergonomiespezialist und Projektleiter SMART.OFFICE bei der König + Neurath AG. „Mitarbeiter wollen ihre Wohlfühl- und informellen Kommunikationsbereiche und ihr Leben und Arbeiten im Büro stärker aktiv mitgestalten. Nur so lassen sich Motivation und Kreativität sowie nicht zuletzt auch Leistung und Produktivität der Mitarbeiter nachhaltig durch smarte Bürolösungen sichern.“ Derzeit ist man allerdings noch weit von diesem Idealzustand entfernt und es gibt noch Luft nach oben: „Insgesamt zeigen sich 41 Prozent der Büroarbeiter unzufrieden mit ihrem aktuellen Arbeitsplatzumfeld und geben fehlende Möglichkeiten der Mitgestaltung sowie unbefriedigende ergonomische, lichttechnische und akustische Bedingungen als Gründe an.“ Mehr als die Hälfte der Befragten erwarte von ihren Arbeitgebern, dass sich ihr Büroumfeld bis 2025 entweder massiv in der Qualität steigert oder es sogar eine grundlegende Neuorientierung in der Gestaltung gibt.

 

Schmeer

„In der digitalisierten Arbeitswelt kommt dem Erhalt der Gesundheit anhand ergonomischer Büromöbel eine zunehmende Bedeutung zu. So erweist sich die Vorbeugung von Rückenschmerzen – Folgekrankheiten bilden den häufigsten Grund für Frühinvalidität – als ein zentrales Thema."

THOMAS SCHMEER, Geschäftsführer der Viasit Bürositzmöbel GmbH

 

 

UND DIE GESUNDHEIT?

Insbesondere dem Erhalt der Gesundheit anhand ergonomischer Büromöbel kommt eine zunehmend wichtige Bedeutung zu. „So erweist sich beispielsweise die Vorbeugung von Rückenschmerzen für Wissensarbeiter, die ihren Tätigkeiten überwiegend im Sitzen nachgehen, als ein zentrales Thema – Rückenprobleme aufgrund unergonomischer Bürositzmöbel und daraus resultierende Krankheiten bilden den häufigsten Grund für Frühinvalidität“, weiß Thomas Schmeer, Geschäftsführer der Viasit Bürositzmöbel GmbH. „Heute ist allgemein bekannt, dass Rückenschmerzen ein erstes, aber ernstes Alarmsignal für eine falsche Haltung oder für einen schlechten Drehsessel sind. Gerade dann und bevor es schlimmer wird, sollten sich Unternehmen über die Anschaffung neuer Bürodrehstühle Gedanken machen.“ Überhaupt nimmt das Thema Gesundheit in der digitalisierten Arbeitswelt einen zentralen Platz ein. Im Rahmen einer Untersuchung der ias-Gruppe zu der Frage „Wie schätzen Führungskräfte und Mitarbeiter die Entwicklung und die Auswirkungen des digitalen Wandels ein?“, meinte zwar die Mehrheit der Befragten, die Leitungsfähigkeit ihres Unternehmens werde durch die Digitalisierung zunehmen. Dennoch gaben deutlich weniger an, mit positiven Auswirkungen auf die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu rechnen.

HÖCHST BEUNRUHIGEND

Alarmierend sei laut der Befragung insbesondere die Erwartungshaltung hinsichtlich des psychischen Wohlbefindens: Jeder Zweite rechne mit einem Anstieg mentaler Belastungen. Daher erweise sich als notwendig, die Veränderungen, die der digitale Wandel mit sich bringt, wie zum Beispiel eine Arbeitsplatzumgestaltung, aus interdisziplinärer Sicht der Bereiche Arbeitsmedizin, Arbeitssicherheit und Arbeitspsychologie sowie aus Sicht des Leistungsfähigkeitsmanagements zu beleuchten, zu unterstützen und zu fördern. Eins ist sicher: Die Digitalisierung ist kein Hype. „Die Befragten sind keineswegs der Ansicht, der digitale Wandel sei nur ein vorübergehender Trend oder ein in sich geschlossener Veränderungsprozess“, ziehen die Studienverfasser ihr Fazit. Zudem sei das Thema nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern stelle Unternehmer vor zahlreiche Herausforderungen. Um diese zu meistern, gelte es vor allem, die Arbeitnehmer in die Veränderungsprozesse einzubeziehen und Raum für offenen Austausch zu schaffen, sodass sie zum digitalen Wandel eine positive Einstellung einnehmen und ihn als Chance wahrnehmen.

Graziella Mimic

  

 
 Fotos: shutterstock

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