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IN EIGENER SACHE 4/2019

Kategorie: Aktuelle Ausgabe
IN EIGENER SACHE 4/2019

Ein Begriff, viele Aspekte

„Trotz aller Aufklärungsbemühungen ist es bis heute ein zentrales Thema im Designdiskurs geblieben, dass sich das disziplinäre Selbstverständnis und die äußere Wahrnehmung von Design deutlich voneinander unterscheiden. In der Öffentlichkeit wird Design häufig nur in der verkürzten Bedeutung des ästhetisch Spektakulären wahrgenommen“, erläutert das Internationale Design Zentrum Berlin e. V. (IDZ), Träger des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit geförderten Projekts „Bundespreis ecodesign“. Die inflationäre Verwendung des Begriffs „Design“ seit den 1980er-Jahren habe diese Wahrnehmung noch verstärkt und somit gehe nicht selten die gesteigerte Aufmerksamkeit, die dem Designbegriff zukommt, einher mit einer Reduktion seines Gehalts.

Keine Frage: Ästhetisch sollte Design auf jeden Fall sein. Doch verfolgt es ganz andere Ziele als Kunst. Etymologisch betrachtet wird das Wort „Design“ aus dem Englischen und Französischen abgeleitet – in diesen Sprachen bedeutet Design „Gestaltung“ oder „Entwurf“ und berücksichtigt auch technische Aspekte. Im Bereich des Qualitätsmanagements und angelehnt an die ISO-Normen wird unter „Designprozess“ die Formung des Produktionsprozesses verstanden, ein Verfahren, dem insbesondere bei der Qualitätssicherung eine große Bedeutung zukommt.

Eins steht fest: In erster Linie soll Design den Menschen und seine unterschiedlichen Bedürfnisse – physische sowie psychische – in den Vordergrund stellen. Somit ist Design vor allem zweckorientiert und funktional, worin der wesentliche Unterschied zu Kunst liegt.

Und vor allem hat Design andere Auswirkungen als Kunst. So wird es etwa benutzt, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen, wie die Entwicklung und Vermarktung von Produkten. Eine durchdachte Designstrategie, die neben Corporate Design auch Werbemaßnahmen umfasst und im Vorfeld der Konzeption bereits genaue Kostenberechnungen beinhaltet, ist entscheidend für den Verkaufserfolg.

Graziella Mimic ok


 

 

 

 

Graziella Mimic, 
Chefredakteurin

 

 

 

Seit einigen Jahren nimmt zudem die Bedeutung der ökologischen Überlegungen bei der Designentwicklung zu, da auch hier Ressourcen – Rohstoffe und Energie – verbraucht werden. Und auch bei der Nutzung der entstandenen Endprodukte variieren je nach Design die Ressourcennutzung und die Umweltbelastung. Beispiel: Der Einbau eines Dimmers erlaubt bei Leuchten nicht nur, das Licht nach Bedarf zu reduzieren und somit Augenmüdigkeit zu vermeiden, also einen ergonomischen Aspekt zu berücksichtigen, sondern auch Energie zu sparen.

Neben der Betrachtung von Umweltaspekten geht es laut dem IDZ inzwischen beim Design verstärkt auch um die sozioökonomischen Auswirkungen eines Produkts. Konsumsoziologie und Designwissenschaft seien zu dem Schluss gekommen, dass eine rein technische Betrachtungsweise von Produkten und Systemen nicht ausreicht. Eher sehe es so aus, dass soziale und symbolische Eigenschaften von Design auf unser Konsumverhalten und die Nutzungsdauer eines Produkts meist einen stärkeren Einfluss ausüben als sein Gebrauchswert allein.

Und nicht zuletzt kann Design als Erkennungsmittel für die Zugehörigkeit von Menschen zu bestimmten Gruppen dienen und hat somit eine soziale Funktion.

Ein Begriff, viele Aspekte. Doch unabhängig davon, ob der Fokus auf technischen oder ästhetischen Anforderungen, auf wirtschaftlichen Überlegungen oder eher auf der sozialen und ökologischen Verantwortung liegt, bleibt Design ein vielschichtiger Prozess, der nicht zuletzt auch die Gesellschaft widerspiegelt, in der er entsteht.

Eine anregende Lektüre wünscht
Graziella Mimic

  

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Fotos: shutterstock, Elmar Wolff

 

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