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Leistungstest Bürodrehstühle 10/2018

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Und wie sitzen Sie?

Gibt es DEN einen Bürodrehstuhl, der unter jeden Popo passt? Oder ist das Sitzen doch zu individuell, als dass sich mehrere Personen dauerhaft auf demselben Stuhl wohlfühlen? Vor allem an Desk-Sharing-Arbeitsplätzen stellt sich diese Frage immer wieder. FACTS wollte es genauer wissen und testete mit knapp 30 unterschiedlich gebauten Personen über acht Wochen lang Drehstuhlmodelle 17 verschiedener Hersteller auf ihre intuitive Bedienung, die verschiedenen Einstellmöglichkeiten, die Stabilität und den Sitzkomfort. Herausgekommen ist ein großer Test mit Studiencharakter.

 

Die Suche nach dem passenden Stuhl am Arbeitsplatz hängt von vielen verschiedenen Kriterien ab: Neben der Optik und den Funktionen sind vor allem die Einstellmöglichkeiten entscheidend, genauso wie die Bequemlichkeit des Stuhls für den Nutzer und die persönlichen Vorlieben, was die Sitzfläche oder die Rückenlehne angeht. Und da können die Unterschiede bei kleinen und großen, schweren und leichten Menschen manchmal nicht ausgeprägter sein. Das wäre ja kein Problem, wenn jeder seinen eigenen Stuhl hätte. Doch was ist, wenn man sich diesen mit mehreren Personen teilen muss, beispielsweise an einem Desk-Sharing-Arbeitsplatz? Es gilt: Ein Drehstuhl, der hier eingesetzt wird, sollte sich möglichst für alle Nutzer gut eignen, um einen gewissen Komfort zu gewährleisten und um Rückenprobleme zu verhindern.

KLARE ANFORDERUNGEN

FACTS hat deshalb die Stuhlhersteller der Branche nach entsprechenden Modellen gefragt, um sie miteinander zu vergleichen. Die Anforderungen waren klar umrissen: Gefordert war ein Drehstuhl für einen Desk-Sharing-Arbeitsplatz mit Synchronmechanik (bevorzugt mit automatischer Gewichtsanpassung, aber kein Muss), höhen- und breitenverstellbaren Armlehnen, einem Schiebesitz, einer höhen- und tiefenverstellbaren Lumbalstütze sowie Polster und Stoffbezug für Sitz und Rückenlehne. Zudem gab die Redaktion einen Preisrahmen vor: Der Drehstuhl sollte zwischen 450 und 750 Euro kosten.

Insgesamt haben 17 Testmodelle den Weg in die Redaktion gefunden. Bis auf drei Modelle – von Fröscher, Westaro und HJH Office – wurden alle Teststühle komplett montiert angeliefert, in vielen Fällen, wie beispielsweise bei KÖHL, Inwerk, ROVO, Original Steifensand, Interstuhl, Viasit und Sedus, sogar von einem Händler persönlich, der gleich alle Funktionen erläuterte und auf Rückfragen antwortete. Bei den drei Stühlen, die zunächst zusammengebaut werden mussten, ließen sich gewaltige Unterschiede feststellen: Fröscher und Westaro waren innerhalb weniger Minuten und rein intuitiv montiert: Rollen ans Fußkreuz, Sitz samt Rückenlehne aufstecken, fertig! Komplizierter wurde es leider beim HJH-Office-Stuhl – hier mussten alle Komponenten mit (beiliegendem) Werkzeug zusammengesetzt werden: Armlehnen an den Sitz schrauben, Rückenlehne aufstecken, Rollen montieren. Was zunächst nicht sehr schwer klingt, hat – von einer Person durchgeführt – insgesamt rund 45 Minuten gedauert. Wenn man sich nun vorstellt, dass man gleich mehrere dieser Stühle bestellt hat, muss man ein bisschen Zeit einplanen …

Im großen FACTS-Test sollte zum einen geprüft werden, inwiefern die genannten Mindestanforderungen durch die Hersteller erfüllt wurden, um den Stuhl an einem wechselnden Arbeitsplatz nutzen zu können. Zum anderen testeten rund 30 weibliche und männliche Personen unterschiedlicher Statur über einen Zeitraum von mehr als zwei Monaten alle Stühle im Hinblick auf die verschiedenen Kriterien, die grob eingeteilt in „Erster Eindruck“ (Design, Stabilität, Qualität), „Beurteilung der Einstellungen“ (Höhenverstellung, Armlehnenverstellung, Lumbalstütze, Sitztiefe) und „Sitzgefühl“ (unter anderem Synchronmechanik und individuelles Sitzen) eingeteilt waren, wobei jeweils bis zu 10 Punkte vergeben werden konnten.

Von den folgenden Herstellern wurden Stühle geliefert, die zu 100 Prozent die vorab formulierten Anforderungen erfüllten: Neben Dauphin, Original Steifensand, Schäfer Shop und Westaro (alle mit automatischer Gewichtsanpassung) lieferten auch Haworth, Interstuhl, ROVO CHAIR und Viasit passende Stuhlmodelle (manuelle Einstellung aufs Körpergewicht). Die anderen Stuhlmodelle waren entweder im Preis etwas höher, zu niedrig (Preise siehe Tabelle ab Seite 70) oder sie hatten keine höhen- und tiefenverstellbare Lumbalstütze – hier war die Stütze in der Regel entweder fix (Inwerk) oder über die Höhenverstellung der Rückenlehne anpassbar (HJH Office, 1000 Stühle, Wagner). Am meisten abgewichen ist das 1000-Stühle-Modell: Hier war der Preis zu hoch, die Lumbalstütze war nur im Rücken verbaut und nicht tiefenverstellbar und es wurde ein Stuhl mit Echtlederbezug geschickt, der einen Vergleich zu den anderen Modellen in einigen Punkten nicht ermöglichte. Dennoch: Kein Stuhl fiel komplett aus dem Rahmen, alle Stühle nahmen am Test teil.

Anna Köster

 

So viel vorab …

Im Gesamtergebnis, wenn man alle Kriterien – Optik, Stabilität und Verarbeitung, Einstellmöglichkeiten und Sitzqualität – zusammennimmt, sind alle Stühle sehr nah beieinander und alle auf einem hohen Niveau. Kein Stuhl hat bei den Testern schlecht abgeschnitten. So bewegen sich alle in der Gesamtpunktzahl zwischen 7,8 und 8,8; Ausreißer nach oben oder unten sind nicht vorhanden.

Einen klaren Favoriten beziehungsweise einen Testsieger gibt es deshalb nicht: Schnell wurde im Test deutlich, dass jeder Stuhl seine Vorzüge hat und die Tester die jeweiligen Funktionen teilweise ganz unterschiedlich bewerteten. Klar: Die Menschen sind nicht alle gleich – Körperbau und Größe sind ebenso verschieden wie der Geschmack und das Empfinden, was die Optik oder die Stoffqualität angeht. Aus diesem Grund hat FACTS beschlossen, in den jeweiligen Kategorien wie Design, Stabilität, Lumbalstütze, Synchronmechanik, Stoffqualität, intuitive Einstellung und Sitzqualität einzeln Punkte zu vergeben. Bei Letzterem hat das Team noch unterschieden, ob die Tester männlich oder weiblich waren, ob sie groß (über 1,70 Meter) oder klein (unter 1,70 Meter) sowie schwer (über 70 Kilogramm) oder leicht (unter 70 Kilogramm) waren. Auch der Preis spielte eine Rolle – und zwar der, den die Tester auszugeben bereit waren.

 

Einzelergebnisse, Fazit und weitere Infos finden Sie im FACTS-Download:

 

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Foto: shutterstock

 

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