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Wenn man ihnen die Freiheit gibt …

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Wer gewinnt die besten Köpfe? Diese Frage muss sich vor allem der Mittelstand stellen, will er im Wettbewerb bestehen. Noch bis vor Kurzem lautete die Antwort: das am besten zahlende Unternehmen, das die attraktivsten Aufstiegsmöglichkeiten bietet. Doch heute gewinnen andere Werte an Bedeutung, allen voran die emotionale Bindung des Mitarbeiters an sein Unternehmen. Doch wie gelingt diese? Antworten auf diese Frage hat Jochen Schweizer parat, der Abenteurer, der die Sahara mit dem Motorrad durchquerte, als Stuntman Uwe Ochsenknecht in Willy Bogners Actionfilm „Feuer, Eis und Dynamit“ doubelte und Bungee-Jumping in Deutschland populär machte.

Mit der Gründung der Kajak Sports Productions legt Schweizer 1985 den Grundstein für die heutige Jochen Schweizer Gruppe mit 21 Unternehmen. Auf seinem Online-Portal bietet er über 1.700 Erlebnisse an, vom Candlelight-Dinner bis zum Weltallflug. Die Jochen Schweizer Corporate Solutions organisiert Firmenevents und legt den Fokus auf emotionale Mitarbeiter- und Kundenbindung durch unvergessliche Erlebnisse.
Im Gespräch mit FACTS verraten Jochen Schweizer und seine Mitarbeiterinnen Antonie Hauswald, Marketing und CRM-Managerin, Louise Weiser, Beraterin Firmenkunden Jochen Schweizer Welt, und Manuela Dannwolf, Leitung Event- und Klubmanagement, wie sich gemeinsame Erlebnisse im Team auf die tägliche Arbeit auswirken und was passiert, wenn man einfach gerne zur Arbeit geht.

Im FACTS-Interview: Jochen Schweizer und seine Mitarbeiterinnen Antonie Hauswald, Marketing und CRM-Managerin, Louise Weiser, Beraterin Firmenkunden Jochen Schweizer Welt, und Manuela Dannwolf, Leitung Event- und Klubmanagement (v.l.n.r.)

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FACTS: Laut des jüngsten Gallup Engagement Index sind nur rund 15 Prozent der Beschäftigten emotional an ihren Arbeitgeber gebunden. Sind Incentives, Firmenevents und Betriebsausflüge, wie Sie sie anbieten, ein geeignetes Mittel, die Mitarbeiter zu motivieren?
Louise Weiser: Absolut. Wir bei Jochen Schweizer sind das beste Beispiel dafür − wir leben, was wir nach außen zeigen. Gemeinsame Erlebnisse, gemeinsame Erinnerungen sind doch der Kitt jeder sozialen Beziehung. Das ist im beruflichen Umfeld nicht anders; man erlebt etwas gemeinsam und schafft dadurch eine Verbindung – und das überträgt sich auch auf den Arbeitsalltag. Der Umgang miteinander ist entspannter und offener.

FACTS: Wo ist dabei der Vorteil  für das Unternehmen,  inwiefern lohnt sich also die Investition in gemeinsame Erlebnisse?  
Manuela Dannwolf: Ist der Arbeitgeber gut, bindet sich der Mitarbeiter an die Firma. Und ein ganz wichtiger Punkt sind dabei die Kollegen. Mit denen verbringt der Mitarbeiter oft mehr Zeit als mit Familie und Freunden. Da möchte er sich geborgen fühlen und sich mit ihnen identifizieren können.
Antonie Hauswald: Wenn man die ganze Woche in der Firma verbringt, ist es sehr wichtig, dass man sich dort wohlfühlt. Sonst gehen die Gedanken schnell dahin, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Und das sind genau diejenigen, die im Gallup-Index innerlich gekündigt haben. Das wirkt sich wiederum deutlich auf die Erfolgszahlen eines Unternehmens aus. Die Leistungsbereitschaft sinkt einfach, von der Krankenquote ganz abgesehen.
Jochen Schweizer: Menschen, die in einem Unternehmen arbeiten, kennen den Grund, warum sie dorthin gehen; ich nenne das „the reason why“. Wir bei Jochen Schweizer gehen jeden Morgen zur Arbeit, weil wir Hunderttausenden von Menschen Erlebnisse ermöglichen. Unser „reason why“ ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, eine bessere Mitarbeiterbindung und ein besseres Betriebsklima zu erzeugen. Es gibt unterschiedliche Niveaus und Typen von Mitarbeitern. Bei einer Wirtschaftsprüfungsfirma muss ich andere Parameter ansetzen als beispielsweise bei  Mitarbeitern von Caterpillar Baumaschinen. Das ist unsere Spezialität: Was muss ich tun, damit die Mitarbeiter sich wohlfühlen, miteinander sind und einen Mehrwert aus der Arbeit ziehen.

FACTS: Wie gelingt denn das perfekte Firmenevent?
Hauswald: Wir haben eigens dafür geschulte Berater, die Anlass und Ziel des Events genau erfragen: Entsteht ein neuer Geschäftsbereich, ein neues Team oder soll ein altes Team aus seinen gewohnten Strukturen herauskommen und gemeinsam neue Erfahrungen machen? Für jedes Unternehmen wird das Event dann individuell zusammengestellt. Wir glauben daran, dass das Unternehmen mit dem Event einen Beitrag zum gesamten Unternehmenserfolg leistet, ganz nach unserem Motto: „Erlebnis bringt Ergebnis“.

FACTS: Können Sie dazu ein Beispiel nennen? Bei Firmen- und Team-Events ist es oft schwierig, etwas anzubieten, an dem die meisten Freude haben – ein Fallschirmsprung zum Beispiel ist ja nicht jedermanns Sache …
Hauswald: Wir lassen uns ausführlich erzählen, welche Art von Menschen bei der Veranstaltung dabei sind. Grundsätzlich gilt es, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, sodass jeder an dem Event Spaß hat. Jochen Schweizer hat ja einen eher „adrenalinlastigen“ Ruf: Fallschirmspringen, Bungeejumping … aber inzwischen verkaufen wir mehr Wellness-Wochenenden und Kurzurlaubsreisen.

FACTS: Welches Erlebnis verkauft sich bei Jochen Schweizer am besten?
Schweizer: Insgesamt haben wir über 1.700 Erlebnisse im Angebot und verkaufen 800.000 pro Jahr, das heißt, ein Prozent der deutschen Bevölkerung erlebt etwas mit Jochen Schweizer. Dazu kommen etwa 400 organisierte Veranstaltungen wie Firmenevents und der Direktverkauf der Erlebnisboxen. Da ist für jeden etwas dabei: ob Sie die Wellnessmassage auswählen, den Hochseilkletterkurs oder durch den Windkanal fliegen. Die Erlebnisbox ist ein sehr gutes Incentivierungsinstrument, das wir in großer Stückzahl an Firmenkunden verkaufen.
Dannwolf: Wir haben über 20 verschiedene Themenboxen, mit denen sich eine Aussage verschenken lässt, zum Beispiel „runter vom Sofa“ oder „Zeit für dich“. Manche Unternehmen bieten sie auch bei Verkaufs- oder Promotionaktionen an. Ein Hersteller hochwertiger Bäder zum Beispiel gibt die Wellness-Erlebnisbox ab einem bestimmten Verkaufswert dazu.
Hauswald: Die Bestseller bei unseren Firmen-events sind Floßbauen und Quad-Erlebnisse, weil sie sich für die meisten Teams eignen. Gerade beim Floßbauen hat man die perfekte Kombination daraus, etwas gemeinsam zu schaffen und dann gemeinsam den Erfolg zu erleben. Das lässt sich sowohl als Pause bei einer Tagung einschieben als auch mit einem Barbecue oder mit einer Übernachtung in einer Hütte kombinieren.
Weiser: Um unsere Firmenevents in der höchsten Qualität anzubieten, bauen wir derzeit eine eigene Erlebnis-Destination auf: die Jochen Schweizer Welt im Süden von München. Dort haben wir einen Windkanal, zum Fliegen mit nichts als dem eigenen Körper, eine stehende Welle zum Surfen für Anfänger und Profis sowie einen Hochseilgarten auf zwei Ebenen, mit einer Dachterrasse, von der man bei guter Sicht bis zu den Alpen sehen kann. Außerdem wird es einen Konferenz- und Tagungsbereich sowie eine hochwertige Gastronomie geben. Eine weitere interessante Möglichkeit für Firmen ist die Mitarbeiterkarte.

FACTS: Was hat es damit auf sich?
Schweizer: Es gibt einen Steuerfreibetrag für Sachzuwendungen in Höhe von 44 Euro, den ein Unternehmer seinen Mitarbeitern monatlich zugutekommen lassen kann. Wir nutzen das intern, indem jeder Mitarbeiter Erlebnis-Bonuspunkte steuerfrei auf seine Mitarbeiter-Karte geladen bekommt. Diese Systematik bieten wir auch anderen Unternehmen im individuellen Design für deren Mitarbeiter an. So kann jeder Mitarbeiter im Jahr Erlebnisse im Wert von rund 500 Euro buchen oder auch zehn Erlebnisboxen als Geschenk kaufen. Das macht aber die Minderheit. Die Mehrheit unserer Mitarbeiter jedenfalls sammelt die Punkte und verabredet sich zu gemeinsamen Erlebnissen. Dies ist nicht von oben verordnet, nach dem Motto: Jetzt gehen wir alle kegeln. Es ergibt sich aus einer Selbstorganisationskraft, die Menschen nun mal haben, wenn man ihnen die Freiheit gibt. Diese Karte ist ein Instrument zur Bonifizierung von Mitarbeitern, im Grunde ein Vertriebssteuerungsinstrument, das nach innen wirkt. Denn es ist doch so: Wir alle haben schon eine Kaffeemaschine oder einen Toaster. Und 50 Euro mehr im Monat machen auch keinen wirklichen Unterschied. Aber mit den Kollegen Segelfliegen gehen, das macht sehr wohl einen Unterschied. Und zeigt eine Wertschätzung des Unternehmens, das im Gegenzug motivierte Mitarbeiter erhält. Man muss dies allerdings richtig dosieren und richtig kommunizieren: Es ist ein besonderer Benefit des Unternehmens, mit dem es unglaubliche Vorteile erlangen kann. Denn: Das Allerwichtigste in der Firma sind die Menschen, sie sind das wertvollste Kapital.

FACTS: Worauf sollte ein Unternehmen achten, wenn es ein Firmenevent plant?
Dannwolf: Was die Organisation selbst angeht, ist es wichtig, dass es zur Firma und zum Anlass passt. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass nicht der Chef aus seiner persönlichen Sicht denkt – er wollte beispielsweise schon immer mal Fallschirmspringen und möchte dies jetzt mit seinem Team machen.
Schweizer: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Der Chef muss sich Gedanken darüber machen, was den Mitarbeitern Spaß macht. Aber selbst wenn ein Event missglückt, weil das Thema nicht gepasst hat oder es bei einem Outdoor-Event in Strömen regnet – gerade das sind doch die Sachen, an die man sich erinnert. Der größte Fehler ist wohl, es nicht zu tun – denn auch wenn Sie nichts tun, wird etwas passieren, es wird nur nicht das sein, was Sie wollen.

FACTS: Wie hat sich die Nachfrage nach Events, Geschenken und Incentives in den vergangenen Jahren entwickelt – beobachten Sie einen Anstieg?
Hauswald: Wir verzeichnen in der Tat in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage. Das hängt sicher auch mit dem Generationenwechsel zusammen. Während früher eher ein Streben nach Geld, Sicherheit und Aufstieg im Vordergrund stand, will die heutige Generation etwas erleben. Die Grundbedürfnisse sind befriedigt und es geht mehr um Selbstverwirklichung.

FACTS: Diese junge Generation stellt hohe Ansprüche an ihr Unternehmen. Kann das Angebot von spektakulären Events dazu dienen, junge, gut ausgebildete Fachkräfte ins Unternehmen zu holen und zu halten?
Schweizer: Unter vielen Unternehmen gibt es einen starken Wettbewerb um gute Mitarbeiter. Sie stehen vor der Herausforderung, sehr gute Leute zu realistischen Gagen ans Unternehmen zu binden. Will ich diesen Wettbewerb gewinnen, muss ich mehr bieten als nur Geld: ein gutes Arbeitsumfeld, eine offene Unternehmenskultur, Transparenz, „the reason why“ und last, but not least einen Mehrwert, den ich als Lebens- und Arbeitsqualität bezeichnen würde. Dann schaffe ich es, die besten Mitarbeiter an die Firma zu binden. Gerade der Mittelstand ist von dieser Situation betroffen, denn er kann nicht einfach horrende Gehälter zahlen.
Dannwolf: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Selbst wenn eine Firma mehr zahlt, ich dort aber nicht emotional gebunden bin, gehe ich zur nächsten. Ich glaube, jeder überlegt sich, ob er für ein paar Euro mehr den Arbeitgeber wechselt, wenn er dort gerne arbeitet, wo er sich gerade befindet.

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„Menschen, die in einem Unternehmen arbeiten, kennen den Grund, warum sie dorthin gehen; ich nenne das ,the reason why‘. Unser ,reason why‘ ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, eine bessere Mitarbeiterbindung und ein besseres Betriebsklima zu erzeugen.“

Jochen Schweizer, Gründer der Jochen Schweizer Unternehmensgruppe

 

 

 

Foto: iStockphoto LP und Jochen Schweizer Gruppe

 

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