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Gastbeitrag: Mach bloß nicht den Habeck!

Kategorie: News
Gastbeitrag: Mach bloß nicht den Habeck!

Grünen-Co-Chef Robert Habeck hat seine Konten bei Twitter und Facebook gelöscht. Er will denselben Fehler nicht zweimal machen, sagt er. Das Problem: Wer sich zu wenige Fehler erlaubt, wird sich in der digitalen Welt nicht behaupten.

„Denjenigen, die konstruktiv und diskursiv die letzten Jahre den digitalen Raum mit mir geteilt haben, sage ich herzlich danke“, schreibt Habeck zum Abschied von Twitter und Facebook in seinem Blog. „Den anderen wünsche ich viele interessante Einsichten. Macht’s gut. Bye, bye.“

Habeck ist 49 Jahre alt. Er kennt die Welt noch aus Zeiten, in denen es keine Computer gab. Vielleicht teilt er sie daher in digitale und analoge Räume auf. Dabei gibt es diese scharfe Trennung in der echten Welt gar nicht mehr. Ohne Software funktioniert heute keine Hardware mehr. Das Digitale ist im Analogen allgegenwärtig – und umgekehrt. Allein die Vorstellung, man könne beides wieder fein säuberlich voneinander trennen, ist naiv.

Hinzu kommt: Habeck ist Politiker. Kommunikation – vor allem die digital vermittelte – gehört daher zu seinem Kerngeschäft. Ein Rückzug aus der digitalen Kommunikation ist für Harbeck daher auch ein Riesenschritt raus aus dem Kerngeschäft. Das hat der Politiker mit vielen Unternehmerinnen und Unternehmern übrigens gemeinsam.

Klar, Habeck hat binnen kürzester Zeit zwei peinliche Fehler gemacht. Erstens wurde sein Facebook-Account gehackt. Das ist nicht rechtens, war aber womöglich eine Folge der eigenen Ignoranz und Nachlässigkeit. Welches Passwort er nutzte, hat Habeck nicht verraten. Daher lässt sich nicht sagen, ob es eigentlich sicher genug oder mit den Bordmitteln eines Durchschnitts-Hackers zu knacken war.

Zweitens ging Habeck der kommunikativen Hektik in den Sozialen Medien auf den Leim. Erst wünschte er per Twitter-Schnellschuss den Bayern, dass aus ihrem Bundesland eine Demokratie wird, dann den Thüringern. Habeck daddelte „wird“, statt „bleibt“; ein kleines Wort, ein echter Fehler. „Wie dumm muss man sein, einen Fehler zweimal zu begehen?“, fragte er sich später – und zog sich zurück.

Die Botschaft, die dieser Rückzug vermittelt, ist fatal: Wer an der digitalen Welt zweimal scheitert, macht nicht mehr mit. Das Digitale ist aber keine Parallelwelt, der man sich entziehen kann. Das gilt vor allem für die, die Zukunft aktiv gestalten wollen. Das Gegenteil ist der Fall. Das Digitale ist eine unverzichtbare Denke, eine dynamische Kultur und eine abstrakte Technik, die Welt zu gestalten. Wer diesen Dreiklang nicht sicher beherrscht, muss ihn eben erlernen.

Fehler sind bekanntlich gute Lehrer. Aber warum darf man den gleichen Fehler eigentlich nicht zweimal machen? Wer hat das so entschieden? Trauen wir Menschen eine Verbesserung bei weiteren Versuchen nicht mehr zu? Traut sich Harbeck das selbst nicht mehr zu?

Natürlich, denselben Fehler zweimal zu machen, ist anstrengend, entmutigend und gesellschaftlich nicht sehr akzeptiert. Aber liegt in der Wiederholung eines Fehlers nicht auch die große Chance, etwas Wesentliches über sich selbst zu lernen? Der erste Fehler legt meist methodische oder sachliche Mängel bloß. Der zweite aber kann dem eigenen Ego klare Hinweise geben, woran es zusätzlich arbeiten muss.

Mit einer minimalistischen Fehlerkultur werden ambitionierte Menschen in der digitalen Welt langfristig nicht erfolgreich sein. Dafür ist die Angelegenheit zu komplex, wie der Fall Habeck zeigt. Er ist ja nicht an einem Unverständnis für die Technik gescheitert, sondern an seiner eigenen Nachlässigkeit (Facebook) und seiner Unüberlegtheit (Twitter). Da gibt es offenbar viel zu tun.

Vielleicht kann er am Ende ja doch noch Vorbild sein. Für alle die, die sich mutig auf Neuland begeben. Die neugierig sind, lernen wollen, ausprobieren und sich und ihr Lernverhalten dabei kritisch hinterfragen. Und die bei einem Doppelfehler nicht gleich den Habeck machen. Für den Fortschritt in Wirtschaft und Gesellschaft sind solche Menschen unverzichtbar.

Es grüßt Sie herzlich

Frank Grünberg

Chefredakteur des B2B-Portals www.service-report-it.de

 

 

 

 

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