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Dauerdruck „dank“ Datenschutz 

Dauerdruck „dank“ Datenschutz 

Aufwendiger Prüfprozess vor der Einführung eines digitalen Tools, regelmäßig neue Entscheidungen der Aufsichtsbehörden und Gerichtsurteile, die Auswirkungen auf das eigene Unternehmen haben können: Die Anforderungen an den Datenschutz setzen Unternehmen in Deutschland unter Dauerdruck.  

Deutschland übertreibe es mit dem Datenschutz – das sagt die Hälfte der befragten Unternehmen in einer repräsentativen Befragung von 502 Firmen mit 20 oder mehr Beschäftigten in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Zwei Drittel (66 Prozent) sind der Auffassung, dass der strenge Datenschutz sowie die uneinheitliche Auslegung des Datenschutzes in Deutschland die Digitalisierung erschwert. „Dem Datenschutz kommt in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu. Den Unternehmen fehlt es aber zunehmend an Planbarkeit und Verlässlichkeit“, sagt Susanne Dehmel, Geschäftsleiterin Bitkom. „Unternehmen stehen beim Datenschutz unter permanenten Stress. Sie wollen dem Datenschutz Genüge tun, aber dazu müssen sie nicht nur europaweit Gerichtsurteile verfolgen und die unterschiedliche Auslegung aus den Mitgliedsstaaten kennen, sondern sich zusätzlich mit 18 verschiedenen Lesarten von Datenschutzaufsichten allein in Deutschland auseinandersetzen. Das ist vor allem für kleinere Unternehmen immer schwerer zu stemmen.“
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So haben rund 42 Prozent der befragten Betriebe seit der DSGVO-Einführung mehr Aufwand als bisher. „Insbesondere kleinere Firmen brauchen bei der Umsetzung der DSGVO mehr und bessere Unterstützung“, sagt Dehmel. „Es fehlt in kleinen Unternehmen häufig an Datenschutz-Expertise, notwendig sind daher konkrete und umsetzbare Handreichungen, etwa durch die Aufsichtsbehörden.“ Ein weiteres Problem: Die DSGVO bremst auch Innovationsprojekte in der deutschen Wirtschaft aus. So geben drei Viertel aller Betriebe (76 Prozent) an, dass Innovationsprojekte aufgrund konkreter Vorgaben der DSGVO gescheitert sind. Und in 9 von 10 Unternehmen (86 Prozent) sind Projekte wegen Unklarheiten im Umgang mit der DSGVO gestoppt worden.

Rechtsunsicherheit

Die größte Herausforderung sei die Rechtsunsicherheit (78 Prozent). Zu viele Änderungen und Anpassungen bei den Vorgaben beklagen 74 Prozent. Parallel wächst die Unzufriedenheit mit den Aufsichtsbehörden. So kritisieren zwei Drittel (66 Prozent) mangelnde Umsetzungshilfen durch die Aufsicht. „Wenn Probleme wie Rechtsunsicherheit oder fehlende Umsetzungshilfen durch die Aufsicht immer stärker zunehmen, dann läuft offenkundig etwas falsch“, mahnt Dehmel. „Normalerweise sind die Probleme am Anfang einer neuen Gesetzgebung groß und werden dann mit ersten Erfahrungen, Entscheidungen und zahlreicheren Hilfestellungen geringer.“ Auch bei konkreten Fragen erhält nur eine Minderheit Unterstützung durch die Aufsicht. „Für den gelebten Datenschutz könnte viel mehr erreicht werden, wenn die Aufsichtsbehörden präventiv tätig würden und Unternehmen bei der praktischen Umsetzung der Datenschutzvorgaben unterstützten, indem sie konkrete Auskünfte erteilen und praxisnahe Empfehlungen geben“, sagt Dehmel. 

Kein Wunder ist deshalb, dass ganz oben auf der Liste der Unternehmenswünsche an die nächste Bundesregierung beim Datenschutz die Forderung nach einer Anpassung der DSGVO steht (89 Prozent). Rund zwei Drittel wollen, dass Datenschutzvorgaben europäisch stärker vereinheitlicht (68 Prozent) und die föderalen Gesetze in Deutschland angeglichen werden.

Privacy Conference

Trends im Bereich Datenschutz, internationale Datentransfers und Kooperationen für die Datenwirtschaft sind auch Themen der Bitkom Privacy Conference 2021. Am 27. und 28. September 2021 tauschen sich dort Datenschutzexperten verschiedener Datenschutzbehörden, global agierende Unternehmen und Startups unter anderem zu aktuellen Entwicklungen in der Regulierung und Durchsetzung, zu Best Practices und datengetriebenen Innovationen aus. Die Anmeldung ist kostenlos möglich.