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Instabiles Einkommen geht mit schlechterer Gesundheit einher

Instabiles Einkommen geht mit schlechterer Gesundheit einher

Eine mangelnde finanzielle Absicherung kann sich auf die körperliche Gesundheit von Beschäftigten negativ auswirken. Zu diesem Ergebnis kam eine neue Studie der Emlyon Business School.

Arbeitnehmer, die über Instabilität in ihrem Einkommen berichten, klagen häufiger über Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Magenprobleme. Dies fand eine Studie, die von Gordon Sayre, Professor für Organisationsverhalten an der Emlyon Business School durchgeführt und im Journal of Applied Psychology veröffentlicht wurde, heraus. Die Umfrage befasste sich mit den Auswirkungen der Lohnvolatilität auf die Gesundheit von Gig-Arbeitern* und denen, die auf Trinkgelder angewiesen sind.

Sayre führte drei separate Studien durch, in denen 375 Gig-Worker über drei Wochen, 85 Trinkgeldarbeiter pro Tag für zwei Wochen und 252 höher bezahlte Angestellte in den Bereichen Vertrieb, Finanzen und Marketing über zwei Monate befragt wurden. Die Ergebnisse: Arbeitnehmer, die eine volatilere Bezahlung erhielten, zeigten mehr gesundheitliche Symptome wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Magenprobleme.

Dass Arbeitnehmer mit einem instabilen Einkommen mehr darauf bedacht sind, über die Runden zu kommen, und sich Gedanken über ihre persönlichen Finanzen machen, liegt auf der Hand. „Der Umgang mit einem instabilen Einkommen bedeutet, nie zu wissen, wie viel Geld Sie in einer bestimmten Woche oder einem bestimmten Monat verdienen werden, und diese Unsicherheit macht es schwierig, mit den gewöhnlichen Ausgaben fertig zu werden“, erklärt Sayre.

Die Untersuchung ergab zudem auch, dass Arbeitnehmer, die auf Trinkgelder angewiesen sind, wie Restaurantkellner, Friseure und Barpersonal, sich an Tagen, an denen sie mehr Geld verdienten, körperlich nicht besser fühlten.

Eine Sache, die Gig- und Trinkgeldarbeiter gemeinsam haben, ist laut der Studie, dass sie oft über ein unterdurchschnittliches Einkommen verfügen. Dies werfe die Frage auf, ob die schädlichen Auswirkungen einfach auf niedrige Löhne zurückzuführen seien und nicht auf ein instabiles Einkommen an sich.

Die Ergebnisse der dritten Studie über Arbeitnehmer in den Bereichen Vertrieb, Finanzen und Marketing, in denen Provisionen und Boni üblich sind, zeigten jedoch, dass die Auswirkungen zwar nicht so stark sind, diese Beschäftigte aber immer noch gesundheitliche Probleme haben.

Sayre empfiehlt den Unternehmen, sorgfältig abzuwägen, ob die wahrgenommenen Vorteile einer leistungsorientierten Lohnpolitik, die zu Instabilität führt, die Kosten für die Gesundheit der Arbeitnehmer überwiegen. Stattdessen sollten sie versuchen, ein Gleichgewicht zu finden, indem sie die Abhängigkeit der Arbeitnehmer von volatilen Lohnformen verringern und stattdessen ein substanzielleres Grundgehalt anbieten. (mim)


* Die Gig Economy beschreibt einen Bereich des Arbeitsmarkts, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an Selbständige, Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden. Die Vermittlung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer übernimmt meist eine Onlineplattform. Diese legt auch die Rahmenbedingungen fest und behält eine Provision für ihre Dienstleistung ein.