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Interview: Wirtschaft in der Coronakrise

Interview: Wirtschaft in der Coronakrise

„Wir werden achtsamer miteinander umgehen“

Im Gespräch mit FACTS schildert Prof. Dr. Rainer Wagner, Geschäftsführer der Topstar GmbH, die Auswirkungen der Coronakrise auf die Wirtschaft im Allgemeinen und sein Unternehmen im Besonderen.

FACTS: Die Coronakrise hat Märkte und Unternehmen unterschiedlich hart getroffen. Was tat Ihrer Firma besonders weh?

Prof. Dr. Rainer Wagner: Im April und Mai 2020 hatten wir doch größere Schockmomente, da wir „von heute auf morgen“ von einem normalen Geschäftsverlauf in einen extremen Krisenmodus umschalten mussten. Dem sind wir mit Ruhe und verschiedenen Szenarien begegnet.

FACTS: Hatte die Zwangspause für Ihr Unternehmen auch positive Auswirkungen? Was hat sich durch Corona bereits verändert?

Wagner: Wir waren sehr positiv überrascht, wie die gesamte Belegschaft sich schnell und ohne Komplikationen auf die neue Situation eingestellt hat. Dies betrifft nicht nur die Formen des elektronischen Arbeitens, ob im Büro oder zu Hause, sondern auch die positive Einstellung, diese Krise gemeinsam zu meistern. Dafür waren und sind wir sehr dankbar.

FACTS: Welche weiteren Folgen vermuten Sie?

Wagner: Wir denken, dass wir insgesamt achtsamer miteinander umgehen werden. Auch hoffen wir, dass unsere Kunden ihre Lieferketten kritisch hinterfragen werden und das Siegel „Made in Germany“ eine Renaissance erleben wird.

FACTS: Werfen Sie inzwischen einen neuen Blick auf Wirtschaft und Gesellschaft?

Wagner: So weit würden wir im Moment nicht gehen wollen. Im Gegenteil, wir sehen das „weiter so, wie früher“ als große Gefahr, sobald die Coronaepidemie als überwunden gelten wird.

FACTS: Seit 1950 hat es laut Statistischem Bundesamt bereits sechs Rezessionsphasen gegeben – der stärkste wirtschaftliche Einbruch habe 2009 im Rahmen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise stattgefunden. Wie schätzen Sie die aktuelle Krise ein?

Wagner: Während in der Finanzkrise mehr oder weniger alle Unternehmen negative Konsequenzen erlitten haben, teilt sich aktuell die Wirtschaft in Gewinner und Verlierer der Coronapandemie auf. Wenn man an die Gastronomie, den Tourismus oder den kleinen Einzelhandel denkt, werden wir hier wahrscheinlich tiefgreifende Veränderungen sehen, die nur über einen sehr langen Zeitraum zu überwinden sein werden.

FACTS: Falls die Krise länger dauert: Wie sollen Unternehmen auf Dauer mit einer geringeren Nachfrage umgehen?

Wagner: Wir glauben nicht, dass die globale Nachfrage stark zurückgehen wird. Vielmehr muss die weitere Entwicklung der erwähnten kritischen Marktbereiche abgewartet werden. Es wird ein Ende der Pandemie geben. Danach werden die Verbraucher entscheiden, inwieweit sie wieder zu den gewohnten Konsumneigungen zurückkehren (wie zum Beispiel Urlaubsreisen) oder sich die Nachfrage tatsächlich neu aufteilen wird.