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Luftreiniger: aufatmen und durchatmen

Luftreiniger: Kriterien für die richtige Wahl

Bedingt durch die Pandemie sind Luftreiniger zu wahren Verkaufsschlagern geworden. Tatsächlich mindern sie das Infektionsrisiko in geschlossenen Räumen. Doch das Angebot ist groß.
Welche Kriterien sind ausschlaggebend für die richtige Wahl?

Luftreiniger können dazu beitragen, den Betrieb im Unternehmen in Pandemiezeiten aufrecht zu erhalten. Auch bei normalen Grippewellen schützen sie nach Kräften vor Infektionen. Sie filtern Staub, Pollen, Milben, Bakterien, bedingt auch Viren und – wo geraucht wird – Qualm. So verbessern sie spürbar die Raumluftqualität. Vor allem Allergiker empfinden durch sie eine große Erleichterung. Der Einsatz gegen Schimmelsporen ist hingegen nur vorübergehend zu empfehlen: Hier sollte man besser den Ursachen zu Leibe rücken.

Zurzeit ist die Wirksamkeit hinsichtlich Covid-19 einschließlich Mutationen von Interesse. Dazu ist die Betrachtung der Leistung und der im Gerät eingesetzten Filter notwendig. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein Luftreiniger besonders in Räumen nützlich ist, in denen schlecht gelüftet werden kann, indem er maßgeblich dazu beiträgt, die Verbreitung von Aerosolen zu verhindern, denn, so das Robert-Koch-Institut: „Bei längerem Aufenthalt in zum Beispiel kleineren, schlecht oder nicht belüfteten Räumen, in denen sich viele Personen aufhalten, kann eine Übertragung auch über eine größere Distanz als 1,5 Meter erfolgen.“ Niemals kann er jedoch die wichtigen Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Lüften, gewissenhaftes Händewaschen, konsequentes Abstandhalten oder gar eine Impfung ersetzen. Und wie bei Mund-Nasen-Schutz besteht auch in der Umgebung von Luftreinigern die Gefahr, sich in falscher Sicherheit zu wiegen: Ein Risiko bleibt, schon weil die Übertragung von Tröpfchen auf Oberflächen durch Luftreiniger unbeeinträchtigt ist. So heißt es in der Stellungnahme der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt vom 16. November 2020: „Der Einsatz von mobilen Luftreinigern kann ergänzend sinnvoll sein, jedoch nur wenn ausreichende Lüftung nicht möglich ist. Zudem sind bestimmte Voraussetzungen bei Geräteauswahl und Aufstellbedingungen zu beachten.“

LUFTDURCHSATZ

Die Hersteller empfehlen ihre Geräte für bestimmte Raumgrößen in Quadratmetern. So soll vermieden werden, dass im großen Konferenzraum ein zu kleines Gerät aufgestellt oder ein kleines Gemeinschaftsbüro mit einem überdimensionierten ausgestattet wird. Allerdings ist diese Angabe nur als grober Richtwert geeignet und scheint in manchen Fällen gar grober Unfug zu sein. Genauer ist der Luftdurchsatz pro Stunde in Kubikmetern, der sich auf das Raumvolumen übertragen lässt, denn bei höheren Decken ist natürlich mehr Luft vorhanden.
In diesem Zusammenhang geben einige Hersteller für die Effizienz eines Geräts den CADR-Wert an. In Ländern, in denen die Luftverschmutzung stärker ist als in Deutschland, ist diese „Clean Air Delivery Rate“, also die Förderleistung an sauberer Luft, die etablierte Größe für eine Kaufentscheidung. Entwickelt wurde sie von der US-amerikanischen Association of Home Appliance Manufactures (AHAM) und bezieht sich darauf, wie viel Kubikmeter Luft innerhalb einer bestimmten Zeit von Belastung durch Partikeln mit einer Größe zwischen 0,09 µm und 11,0 µm gereinigt wird. Dabei gilt: je höher der Wert, desto besser. Werden das Raumvolumen – nicht nur die Fläche – und der CADR-Wert miteinander in Verbindung gebracht, lässt sich die Häufigkeit des Luftaustauschs pro Stunde durch das Gerät recht zuverlässig berechnen. In China beispielsweise ist aus diesem Verfahren der Standard GB/T18801-2015 entstanden, nach dem Luftreiniger geprüft und klassifiziert werden, bevor sie in den Verkauf gelangen; ohne eine solche Klassifizierung hat ein Gerät keine Chance. Hierzulande findet dieses Prüfverfahren unter Laborbedingungen hingegen wenig Anwendung. Zwar gibt auch ein guter CADR-Wert keinen gezielten Aufschluss über die Wirksamkeit in Bezug auf belastete Aerosole, doch sollte eine zügige und gründliche Reinigung auch diesbezüglich nützen.

Im Prinzip bringt ein Gerät durch Ansaugen die Luft in die Filter, reinigt sie und stößt sie wieder aus. Es soll erreicht werden, dass mehrmals pro Stunde ein kompletter Luftwechsel stattfindet – Experten empfehlen bei bestehendem Infektionsrisiko bis zu sechs Mal; das schafft allerdings kaum ein Gerät.

Die beste Arbeit kann ein Luftreiniger leisten, wenn er möglichst frei mitten im Raum steht, damit die Luft wirkungsvoll zirkulieren kann. Mindestens ein halber Meter Abstand zur Wand sollte eingehalten werden, am besten erheblich mehr. Die Platzierung in der Nähe von Fenstern oder geöffneten Türen ist ungeeignet, ebenso in Nischen oder durch Möbel verdeckt.

FILTER

Das Herz der Luftreiniger sind die Filter. Von ihnen hängt die Qualität der Reinigung ab. Alle Lufteiniger verfügen über ein mehrstufiges System, bei dem verschiedene Filter nacheinander die Luft reinigen. Zunächst ist ein Vor-filter für das Grobe wie Staub und Tierhaare zuständig und schont die folgenden Feinfilter. Üblich ist ein Aktivkohlefilter, der organische Moleküle zersetzt, unangenehme Gerüche beseitigt und dem Gerät das Prädikat „für Allergiker geeignet“ einbringt.

HEPA-Filter sind für Schwebstoffe wie Bakterien, Feinstaub und Pollen zuständig und in „vernünftigen“ Luftreinigern ebenfalls gängig. Sie bestehen aus einem engmaschigen, mehrschichtigen, unregelmäßigen Gewebe wie FFP2-Masken, an dem die Schwebstoffe haften bleiben. Schwebstofffilter sind nach ihrer Effizienz gemäß EN 1822-1:2009 in 17 Klassen aufgeteilt. Die Klassen 10 bis 12 tragen das E von EPA (Efficient Particulate Air). Das H von HEPA vor den Zahlen 13 und 14 steht für High-Efficiency Particulate Air. Vor höheren Ziffern steht das U von ULPA (Ultra-Low Particulate Air).

Um die bei Luftreinigern vorkommenden Klassen H13 und H14 läuft im Zuge der Pandemie eine rege Diskussion: Können HEPA-Filter Viren absondern? Reicht H13 oder muss es H14 sein? Die einen sagen, dass die winzigen Viren nur bedingt aufgehalten werden können, andere betonen, dass Viren nie ohne Aerosole durch den Raum fliegen und diese schon von H13-Filtern zuverlässig eingefangen werden.

Manche Luftreiniger nutzen darüber hinaus photokalytische Filter, an deren Titandioxid-Oberfläche Bakterien abgetötet werden, mitunter durch kleine UV-Lampen unterstützt.

In einigen Luftreinigern ist zusätzlich ein Ionisator verbaut. Dieser bindet Staub und andere Partikel zu einem Cluster, das wirksamer gefiltert werden kann. Geladene Ionen verbinden sich dabei mit Staubpartikeln und ziehen durch die elektrostatische Wirkung weitere an.  

Filter halten nicht ewig. Durch die Ansammlungen von Partikeln lässt mit der Zeit die Wirkung nach und kommt irgendwann vollständig zum Erliegen. Zu beachten ist daher, ob ein Gerät auf den anstehenden Wechsel per Anzeige aufmerksam macht, denn die Haltbarkeit von Filtern ist schwer vorherzusagen, da die Qualität und vor allem der Verschmutzungsgrad durch die individuelle Belastung eine Rolle spielen. Die Reinigung ist bei wiederverwendbaren Filtern möglich, jedoch nicht unbedenklich, weil – wie beim Wechseln von Resttonerbehältern – kaum erkennbar ist, wie sich Partikel beim Lösen verhalten und wieder in die Luft gewirbelt werden.

LAUTSTÄRKE

Wichtig ist auch, auf den Geräuschpegel zu achten, damit das Gerät nicht lästig wird: Die Turbostufe mancher Gebläse kann mit einem Staubsauger mithalten. In großen Räumen ist in diesem Sinne ein großer Luftreiniger eher angebracht als zwei kleinere für dieselbe Leistung. Gerade in Büroräumen, in denen Stille für konzentriertes Arbeiten förderlich ist, besteht die Gefahr, dass ein lauter Luftreiniger ausgeschaltet bleibt, weil er stört. Ein moderater Luftreiniger erzeugt im Normalbetrieb ein gleichmäßiges Geräusch deutlich unter 40 dB(A), das in der Alltags-Geräuschkulisse untergeht. Manche Geräte arbeiten rein automatisch, andere lassen sich manuell einstellen. Wenn Ruhe herrschen soll, ist ein Nachtmodus angenehm, während sich der lautere Turbomodus vor allem für Pausen eignet.

FUNKTIONEN

Die Grundfunktionen eines Luftreinnigers werden über Tasten oder ein Display eingestellt. Dabei sollte auf die Lesbarkeit der Anzeige geachtet werden. Steht das Gerät in einer dunklen Ecke, hilft eine beleuchtete Anzeige beim Ablesen und Bedienen.

Darüber hinaus verfügen manche Luftreiniger über Komfortfunktionen. Häufig sind dies eine Zeitschaltung, ein sensorgesteuerter Betrieb, der sich an der aktuellen Luftqualität orientiert, sowie eine geräuscharme Nachtfunktion. Auch mit Fernbedienung oder Steuerung per App werden Geräte aufgewertet. Weitere, seltenere Zusatzfeatures sind die Klimaanlagenfunktion, Luftbefeuchtung, die Luftionisierung oder die Beigabe von Duftstoff.

KOSTEN

Je nach Raumgröße ist ein einfacher Luftreiniger schon für weniger als 50 Euro zu bekommen, manche werden vierstellig bepreist. Wieso sich die Preise auch bei Geräten für vergleichbar große Räumlichkeiten und mit ähnlichen Leistungen so enorm unterscheiden, will FACTS herausfinden und in der April-Ausgabe in Verbindung mit einem Produktvergleich darstellen.

Doch Achtung: Nicht im Kauf allein liegen die Kosten. Jedes Gerät verbraucht Strom und vor allem verwendet es Filter, die von Zeit zu Zeit gewechselt werden müssen. Der Energieverbrauch hängt von der Größe und Leistungsfähigkeit und natürlich davon ab, wie lange und auf welcher Stufe ein Gerät in Betrieb ist. Die Unterschiede bei untereinander vergleichbaren Geräten sind dabei nicht sehr erheblich, zu rechnen ist mit rund 50 Euro im Jahr.

Die Kosten für neue Filter hingegen variieren stark und reichen von weniger als 30 bis mehr als 500 Euro; mitunter sind die Filter einzeln erhältlich, in der Regel als Komplettsets. Die Anbieterempfehlungen für den Filterwechsel erstrecken sich über sechs bis 18 Monate, in Einzelfällen sogar für drei oder vier Jahre. Die Austauschfrequenz hängt wesentlich von der Belastung ab: Wo viele Textilien verwendet werden, Laserdrucker im Einsatz sind oder gar geraucht wird, ist ein Wechsel häufiger nötig als in einem eher steril ausgestatteten Raum. Doch auch die Filterqualität spielt eine Rolle. Manche Anbieter verkaufen gar keine Filter, sondern schließen beim Verkauf eines Geräts mit dem Kunden einen Wartungsvertrag ab, der den Wechsel beinhaltet.

SERVICE

Aufgrund der Pandemie waren Luftreiniger zwischenzeitlich vom Markt fast komplett weggefegt. Dennoch sollte man nicht einfach kaufen, was so gerade eben noch erhältlich ist: Bestellen Sie Ihren Luftreiniger am besten nicht einfach übers Internet, sondern wenden Sie sich an einen Fachhändler. Dieser kann nicht nur auf Ihre konkreten räumlichen Anforderungen eingehen, sondern steht auch bei Funktionsstörungen, für die Wartung oder Reklamationsfälle zur Verfügung. Ein guter Service ist bei Geräten, die die Gesundheit schützen sollen, nicht zu unterschätzen. Ebenso ist es zu empfehlen, vor dem Kauf in einem Probelauf die Lautstärke anzuhören, statt die sprichwörtliche Katze im Sack zu kaufen.

FAZIT

Noch nie war gute Raumluft so gefragt wie während der aktuellen Pandemie. Da Luftreiniger maßgeblich dazu beitragen, sollte dort, wo sie benötigt werden, der Preis eine untergeordnete Rolle spielen – und wenn doch, sparen Sie lieber an Extras wie Touchdisplay und App-Steuerung. Vergessen Sie Geräte ohne HEPA-Filter und achten Sie auf eine gute Luftumwälzung, die den betreffenden Räumen angemessen ist. Wählen Sie darüber hinaus ein Modell, das bei der Geräuschentwicklung gut abschneidet, damit es nicht aufgrund der Störung ausgeschaltet und damit wirkungslos wird. Denn es geht um Ihre Gesundheit und die Ihrer Mitarbeiter und Kunden.

Anja Knies