Büroeinrichtung / Büroausstattung

Aktuelle Beiträge

Kaufberatung Luftreiniger

Kaufberatung Luftreiniger

Lüfter statt Lüften

Wo aufgrund von Lärm oder Feinstaubbelastung durch eine viel befahrene Straße schlecht oder gar nicht gelüftet werden kann, empfiehlt sich der Einsatz eines Luftreinigers. Das Auswahlkriterium „Raumgröße“, mit dem Anbieter eine Orientierung geben wollen, ist äußerst unzuverlässig und die Preise unterscheiden sich enorm. Wie kommt man zur richtigen Entscheidung?

Wer sich auf die Suche nach einem Luftreiniger für größere Räume macht, wird sich zunächst nach der von den Herstellern empfohlenen Quadratmeterzahl richten. Auch FACTS hat das für die Auswahl getan und einen Raum von rund 90 Quadratmetern zugrunde gelegt. Daraufhin wurde schnell klar: Als erster Anhaltspunkt ist das gut, mehr aber auch nicht. Zwar lässt sich die Vielfalt an Lüftern auf diese Weise schon stark einschränken, doch tummeln sich in dieser Größenordnung noch immer massenhaft Geräte mit einer Preisspanne von 200 bis fast 3.500 Euro. Wie kann das sein?

Allein anhand der Produktbeschreibungen lässt sich das nicht erklären: Alle verfügen über ein mehrstufiges Filtersystem einschließlich HEPA-Filter. Viele Hersteller haben die Reinigungsleistung ihrer Geräte offiziell prüfen lassen und geben einen CADR-Wert an – dazu später mehr. Auch die Geräuschentwicklung der Gebläse bewegt sich laut technischen Daten bei den meisten im akzeptablen Bereich. Das ist wichtig: Wenn ein Luftreiniger stört, bleibt er aus und verfehlt seine Wirkung.

Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Reinigungsleistung – doch rechtfertigt die doppelte oder dreifache Leistung einen vielfachen Preis?

Große Leistung erfordert mehr Schalldämmung

Mit der Preisdifferenz korrespondiert unter anderem ein optischer Unterschied: Die günstigen Geräte bis 500 Euro sind mit einer Höhe von 50 bis 70 Zentimetern klein und lassen sich überall aufstellen. Die vierstellig bepreisten messen – mit Ausnahme des Ideal Hercules H14 – mehr als einen Meter und kommen wie ein Möbelstück daher. Sie sind zumeist mit praktischen Transportrollen versehen, sodass man sie bequem an verschiedenen Orten einsetzen kann – zur Mittagszeit in der Kantine, bei einem Meeting im Konferenzraum oder wo immer sich sonst mehrere Menschen versammeln. Der AirPurifier von Wolf und der HEPA-Tower 1200 von Hansa fallen mit einer Höhe von mehr als 2 Metern aus dem Rahmen: Hier handelt es sich schon fast um eine bauliche Veränderung.

Eine außerordentliche Größe hat den Grund, dass wirksame Schalldämpfer verbaut sind. Das Gebläse verursacht Geräusche, die dadurch trotz hoher Leistung kaum in den Raum dringen: Den Dezibel-Angaben zufolge ist ihre Geräuschentwicklung ähnlich wie bei den kleinen Lüftern.

Für die Leistung Kubik- statt Quadratmeter berücksichtigen

Ein sehr großer Lüfter hat auch den Vorteil, dass die weit oben austretende Luft niemandem ins Gesicht bläst. Denn so etwas ist nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich, da sich die frische Luft sogleich mit potenziell belasteten Aerosolen aus dem Atem verbinden und im Raum verteilen könnte – und somit genau das bewirken, was man eigentlich vermeiden möchte.

Um die Eignung eines Luftreinigers einzuschätzen, reicht der Blick auf die Quadratmeterzahl der zu belüftenden Fläche nicht aus. Vielmehr muss man den Luftdurchsatz – angegeben in Kubikmetern pro Stunde – mit dem Raumvolumen in Verbindung bringen, also auch die Deckenhöhe einbeziehen. So lässt sich ermitteln, wie oft die Luft in der Stunde aufgefrischt wird. Und hier werden die Unterschiede deutlich.

Anders als die Leistung, die den einfachen Luftdurchsatz angibt, macht der CADR-Wert eine Aussage zur gereinigten Luft und liegt in der Regel etwas darunter. Das Prüfverfahren für diese „Clean Air Delivery Rate“ wurde vom Association of Home Appliance Manufactures (AHAM) entwickelt, die für Luftreiniger den Standard AHAM AC-1-2013 formuliert hat. Trägt ein Luftreiniger das AHAM-Siegel, ist dieser Wert offiziell ermittelt und bestätigt.

Die Angaben in der Tabelle geben Aufschluss darüber, welche Geräte die CADR-Prüfung durchlaufen haben. Ansonsten bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Angaben zum Luftdurchsatz zu verlassen – sofern das möglich ist: Beurer und Venta geben weder einen Luftdurchsatz noch einen CADR-Wert an, weshalb die Leistung komplett fragwürdig bleibt – bei Beurer erst recht, da er seinen LR 500 für Räume zwischen 34 und 106 Quadratmeter empfiehlt: sehr präzise Zahlen mit viel Platz dazwischen – ein fragwürdiges Versprechen. Beide Geräte disqualifizieren sich daher für eine Kaufentscheidung.

In der Tabelle ist in der Zeile „Luftaustausch/Stunde“ angegeben, wie oft in einem Beispielraum von 90 Quadratmetern mit 3 Metern Deckenhöhe (also einem Volumen von 270 Kubikmetern) die Luft pro Stunde ausgetauscht wird. Selbst die kleinen Geräte benötigen weniger als eine Stunde für den Luftwechsel. Die großen allerdings schaffen mehrere Reinigungen in derselben Zeit. Der Pro XL von Blueair kommt mit 1.680 Kubikmetern Luftdurchsatz und einem sehr hohen CADR-Wert am leistungsstärksten daher und reinigt die Luft im Beispielraum in weniger als zehn Minuten. Ebenfalls sehr hoch ist die Leistung von Hansa HEPA-Tower 1200, Kemper AirControl, Ulmair X80 sowie Wolf AirPurifier. Der WAD-M20 von AiroDoctor für eine empfohlene Raumgröße bis 200 Quadratmeter hat hingegen einen recht geringen CADR-Wert: Hier dauert es eine gute halbe Stunde, bis die Raumluft ausgetauscht und wieder unbelastet ist.

Wie viel lüften ist nötig?

Es stellen sich die Fragen: Muss die Luft dauernd ausgetauscht werden? Würden wir auch alle 15 Minuten die Fenster weit öffnen? Das hängt sicher von weiteren Gegebenheiten ab, insbesondere, wie viele Menschen sich im Raum befinden und wie groß der Abstand zwischen ihren Arbeitsplätzen ist. So sollte in einem Callcenter oder auch in einem Konferenzraum mehr Wert auf eine hohe Reinigungsleistung gelegt werden als in einem Flächenbüro, in dem schon durch große Schreibtische Distanz gegeben ist. Wer zwei kleine statt einen großen Lüfter für eine höhere Reinigungsleistung in Erwägung zieht, sollte bedenken, dass er damit auch zwei Geräuschquellen aufstellt.
Unter den Geräten im Vergleich fallen zwei besonders positiv auf. Der Pro XL von Blueair ist der leistungsstärkste von allen. Er fügt sich mit einer Höhe von gut einem Meter noch relativ diskret in die Umgebung ein und liegt preislich längst nicht ganz oben. Die zweite Empfehlung ist der kleine Winix Zero Pro, der in Deutschland von Francotyp-Postalia angeboten wird. Dieser ist für seine Leistung, seine Filtration und seine Ausstattung erstaunlich günstig.

Anja Knies
This image for Image Layouts addon

Checkliste: Die wichtigsten Kriterien für den Kauf eines Luftreinigers

LUFTDURCHSATZ: Damit verbrauchte Luft mehrmals pro Stunde in frische umgewandelt wird, ist die Leistung des Geräts ausschlaggebend. Wählen Sie Ihren Lüfter mit Hinblick auf die Räumlichkeiten, in denen sie stehen sollen, und berücksichtigen Sie neben der Fläche auch die Deckenhöhe. Die Angabe zum Luftdurchsatz in Kubikmetern pro Stunde ist dabei hilfreich; der CADR-Wert zur gereinigten Luft in Kubikmetern pro Stunde ist überprüft und daher ein sicherer Anhaltspunkt. Die Herstellerangaben zur empfohlenen Raumgröße sind hingegen irreführend.

FILTER: Wenn Sie mit Ihrem Luftreiniger lediglich Zigarettenrauch „neutralisieren“ möchten, kommen Sie mit jedem Gerät aus dem Baumarkt zurecht. Geht es darum, allergiegeplagte Mitarbeiter vor Pollen zu schützen, achten Sie auf ein ECARF-Siegel, das allergikerfreundliche Produkte zertifiziert. Für den Infektionsschutz sparen Sie lieber nicht an der falschen Stelle, sondern wählen Sie ein Gerät mit HEPA-Filter.

LAUTSTÄRKE: An einer stark befahrenen Straße lässt man die Fenster zu, damit der Lärm (mitsamt dem Feinstaub) ausgesperrt ist. Ebenso bleibt ein lauter Luftreiniger außer Betrieb, weil er die Konzentration stört. Achten Sie also unbedingt darauf, dass die Geräuschentwicklung eines Luftreinigers moderat ist.