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Kaufberatung: Carsharing

Kaufberatung: Carsharing

Carsharing: Baustein im Mobilitätsmix

Die Firmenflotte abschaffen und Carsharing nutzen – damit eröffnen Anbieter gewerblichen Kunden eine kostengünstige Alternative zu Leasing oder Kauf, die Verwaltung inklusive. In größeren Städten und Ballungsräumen ist die Auswahl groß. FACTS hat sich im Markt umgesehen und einige interessante Anbieter entdeckt: Hier ist eine Übersicht.


Wer nicht ständig auf ein Auto angewiesen ist, um beispielsweise jeden Tag zur Arbeit zu pendeln, sollte darüber nachdenken, auf Carsharing umzusteigen. Junge Menschen sehen in einem eigenen Wagen ohnehin weniger ein Prestigeobjekt als ein Mittel zum Zweck. Für viele von ihnen liegt es daher näher, ein Auto mit vielen anderen zu teilen, als sich selbst eines ans Bein zu binden. Doch weil Mobilität auch ihnen wichtig ist, locken Arbeitgeber auf der Suche nach Personal mit Jobtickets, Zapfsäulen für E-Bikes oder mit dem Zugang zum Carsharing. Unternehmen können Rahmenverträge mit Carsharing-Anbietern abschließen und so ihren Mitarbeitern die Nutzung eines Autos erleichtern. Es lohnt sich beispielsweise, wenn ein Unternehmen seinen Sitz mitten in der City hat, wo allein die Kosten für das Parken das Carsharing wettmachen.


Flächendeckendes Angebot


Carsharing ist inzwischen deutschlandweit möglich. Allerdings gibt es große Unterschiede bei der Flächendeckung: In den Großstädten hat man mehrere Anbieter zur Auswahl, wohingegen es in ländlichen Regionen eher mau aussieht. Hier erweist es sich nicht als wirtschaftlich, ein solches Angebot zu etablieren. Mietstationen finden sich überwiegend an zentralen Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen, Bushaltestellen oder Flughäfen, jedoch tauchen auch in Wohngebieten immer mehr Stellplätze für „Teileautos“ auf. Bei der Menge an Shareautos pro Einwohner liegt in Deutschland Karlsruhe derzeit weit vorn.

Die erste Initiative dieser Art tauchte schon 1988 auf. Viele der heutigen großen Anbieter sind aus dem Zusammenschluss mehrerer lokaler und regionaler Organisationen entstanden, so zum Beispiel Stadtmobil und Cambio. Solche Anbieter arbeiten meist eng mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben zusammen. Stadtmobil selbst geht auf einen Verein zurück, der 1992 in Sachsen das Teilen privater Autos organisierte und bald so groß wurde, dass er sich professionalisieren musste. Auf dieselbe Weise wurde auch teilAuto im selben Jahr in Sachsen ins Leben gerufen. Marktteilnehmer sind auch die Deutsche Bahn mit dem zweifellos dichtesten Flinkster-Netz, auf das mehrere regionale und lokale Anbieter partnerschaftlich zurückgreifen und das neben Autos auch ein Bikesharing bietet. Weitere sind der Mietwagenverleih Sixt mit Sixt Share, VW mit We Share und das Joint-Venture aus BMW und Daimler mit Share Now – erst im vergangenen Jahr aus car2go und DriveNow hervorgegangen. Glaubt man dem Bundesverband Carsharing e.V. (bcs), sind derzeit 180 Anbieter in Deutschland aktiv und der Markt ist in Bewegung. Viele kooperieren untereinander, um ihr Gebiet zu vergrößern. Auf dieser Basis können Kunden beispielsweise auf einer Dienstreise ohne jeden bürokratischen Aufwand den lokalen Anbieter am Zielort in Anspruch nehmen.

Markt in Bewegung


Tatsächlich verschwinden Anbieter auch wieder ganz. So gab das ambitionierte Unternehmen Oply knapp ein Jahr nach seiner Gründung wieder auf, Ubeeqo hat sich aus Berlin zurückgezogen und beschränkt die Präsenz in Deutschland auf Hamburg. Außer den genannten aktiven Autokonzernen hatten sich auch Ford und Mazda an das Carsharing gewagt, es aber längst schon wieder aufgegeben. Die Anbieter haben das gleiche Problem wie Verkehrsbetriebe: Es rechnet sich nur in der Großstadt. Offenbar etablieren sich in den Metropolen Platzhirsche, während die anderen nach und nach verschwinden.

Die erste Unterscheidung wird in der Regel getroffen, ob sie ein stationsbasiertes oder ein Free-Floating-Modell anbieten. Bei Ersterem wird der Wagen dort abgestellt, wo er abgeholt wurde, während bei Letzterem der Rückgabeort anderswo sein kann, es sich daher auch für Ein-Weg-Strecken eignet. Als größte stationsgebundene Anbieter nennt der bcs Flinkster, Cambio und Stadtmobil, im Segment ohne Stationsbindung dominiert Share Now.

Free Floating ist allerdings viel schwerer zu handhaben, deshalb ist es meist teurer und ein Auto ist nicht reservierbar – man steigt einfach in ein verfügbares Auto und fährt los –, weshalb dieses Konzept in Reinform nur von wenigen Anbietern oder in Kombination mit dem stationsbasierten Modell eher innerhalb eines Stadtgebiets umgesetzt wird. Das flexible Free Floating bedeutet allerdings nicht, dass man den Großvater in den Alpen mit dem Auto besucht und sich auf der Rückfahrt von der Tante mitnehmen lässt. Die Rückgabe des Autos muss immer im Geschäftsgebiet des Anbieters erfolgen, mitunter sogar an ausgewiesenen Parkplätzen.
Frau mit Auto, Freefloating
Carsharing ist meistens stationsgebunden, das heißt, ein Auto wird am selben Ort abgestellt, wo es abgeholt wurde. Beim Free Floating ist auch ein anderer Ort möglich. Fotos: Cambio.
Frau mit Auto, Freefloating

Unbürokratischer Ablauf


Da der Autoverleih eine recht heikle Angelegenheit ist – schließlich geht es um hohe Kosten und schlimmstenfalls auch um Haftung –, müssen sich die Nutzer zuerst registrieren. Dies nehmen die meisten Anbieter jedoch locker: Einfachheit steht über der Absicherung nach allen Seiten. Im besten Fall ist nicht einmal ein zeitaufwendiges Identverfahren oder gar persönliches Vorsprechen nötig, sondern man muss lediglich Scans oder Fotos von Personalausweis und Führerschein hochladen. Häufig wird eine kleine ein- oder zweistellige Gebühr für die Verifizierung der Dokumente erhoben. Zumeist holen die Anbieter noch eine Schufa-Auskunft ein. Fällt diese ungünstig aus, verlangen sie eine Kaution.

Knapp 2,5 Millionen Nutzer soll es laut bcs vor einem Jahr gegeben haben, die Tendenz ist steigend. Carsharing versteht sich als Alternative zum eigenen Fahrzeug und als Ergänzung zu öffentlichem Transport und Fahrrad. Mit Blick auf den Markt liegt die Vermutung nahe, dass nicht alle Anbieter dieses Selbstverständnis teilen. Doch bei einigen gehört die enge Zusammenarbeit mit dem ÖPNV zum Geschäftsmodell – man bedenke nur, dass bei ihren Kunden das Monatsticket gleichzeitig das „Autoticket“ ist, das die Tür öffnet. Diese Nutzer leisten sich sicher kein Auto nebenbei. Tatsache ist allerdings, dass sich Carsharing nur lohnt, wenn man weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fährt und insbesondere kurze Strecken zurücklegt. Meistens sind es Untersuchungen zufolge nicht mehr als fünf Kilometer, für die ein Leihauto eingesetzt wird, außerdem soll die Nutzungsfrequenz sinken. Auf keinen Fall allerdings ist es sinnvoll, damit zur Arbeit zu fahren und es den ganzen Tag in der Tiefgarage warten zu lassen.

Vorteile gegenüber eigenen Autos


Mit einem Leihauto ist man tatsächlich viele Sorgen los, die sich durch den Besitz eines eigenen Fahrzeugs ergeben. Reinigung und Wartung sind Sache vom Anbieter, selbst tanken muss man nur in Ausnahmefällen – und findet dafür eine DKV-Tankkarte im Handschuhfach –, auch das Bangen vor dem TÜV oder der alljährliche Versicherungsvergleich haben ein Ende, die Garagenmiete und der Beitrag für die Mitgliedschaft beim Pannendienst entfallen. Bei einem Schaden steht gleich das nächste Fahrzeug bereit. Die Tatsache, dass ein Auto vom ersten Tag der Nutzung kontinuierlich an Wert verliert, ist fortan so interessant wie der sprichwörtliche Sack Reis in China.

Ein Vorteil gegenüber dem eigenen Wagen liegt auch in der Auswahl: Will man einfach eine Strecke von A nach B zurücklegen, reicht eigentlich ein Kleinwagen, für den es immer eine Parklücke gibt. Hat man jedoch etwas zu transportieren, kann man sich auch unbürokratisch einen Kombi oder Transporter leihen. Nur wenige Anbieter stellen Sportwagen, Limousinen oder SUVs bereit. Dafür gibt es umso mehr E-Autos: Durch Carsharing kann man sich nicht nur umweltfreundlicher bewegen, sondern auch ausprobieren, wie sich ein Fahrzeug mit einem Elektroantrieb fahren lässt. book-n-drive setzt sogar auf Wasserstoff. Eine Studie der Universität Hohenheim hat ermittelt, dass eine Vielfalt an Automodellen für die Nutzer so gut wie gar keine Rolle spielt.

Beim Fahren mit dem Auto einer Carsharing-Organisation muss man damit rechnen, dass Bewegungsdaten aufgezeichnet werden. Das erleichtert zum einen die Abrechnung, zum anderen dient es der genauen Ortung von (abgestellten) Wagen.

Buchen und losfahren


Die Buchung eines Leihwagens ist in der Regel online rund um die Uhr möglich, bei telefonischer Reservierung wird häufig eine Gebühr erhoben. Im Anschluss erhält man den Standort mitgeteilt beziehungsweise auf der App angezeigt. Den Zugang zum Fahrzeug erhält man mit einer Karte, die nach der Erstregistrierung ausgestellt wird, oder – ganz im Sinne des digitalen Zeitalters – per App. Zumeist haben die Autos an der Windschutzscheibe ein Lesefeld, das mit dem Bordcomputer verbunden ist. Wenn man das Zugangsmedium daranhält, öffnet sich die Tür. Auch gibt es in der Nähe einer Station Schlüsselkästen, die sich auf dieselbe Weise öffnen lassen.

Die Kosten für das Carsharing setzen sich fast immer aus den Faktoren Zeit und Strecke zusammen, nachts gelten eventuell günstigere Tarife. Der Einfachheit halber wird manchmal auch nicht ganz genau abgerechnet, sondern es gibt unterschiedliche Pauschalen. Sixt Share und We Share rechnen allein nach Zeit ab – minutengenau. Hier sind der Sprit beziehungsweise Strom für eine festgelegte Kilometerzahl inklusive. Hinzu kommen bei manchen Organisationen monatliche Mitgliedsbeiträge. Dort muss man also schon sicher sein, dass man den Wagen nicht nur alle paar Wochen mal braucht. Mit einer Tarifauswahl, die sich an Vielfahrer oder an gelegentliche Nutzer richtet, versuchen die Betreiber, den Bedürfnissen ihrer Kunden entgegenzukommen. Meistens unterscheiden sich Tarife jedoch nach Fahrzeugkategorien. Bezahlt wird monatlich oder nach jeder Fahrt, die Rechnung erfolgt zumeist monatlich.

Mit dem Leihauto darf man Fernfahrten unternehmen, meistens sogar längere Urlaubsreisen. Ein Auto für Fahrten ins Ausland zu mieten, ist allerdings nicht ganz so einfach. Meistens muss man eine solche Fahrt anmelden, ein paar Anbieter lassen es überhaupt nicht zu. Das ist natürlich schade für Menschen, die gern von Duisburg aus eine Einkaufstour nach Venlo machen würden oder von Lörrach aus einen Geschäftstermin in Basel wahrnehmen möchten. In jedem Fall sind einige – vor allem osteuropäische – Länder ausgeschlossen. Wie das die einzelnen Anbieter handhaben, geht aus der Übersichtstabelle (siehe PDF unten) hervor.




Person mit Mobiltelefon
Die App zum Buchen und für den Zugang zum Auto ist State of the Art. Kundenkarten werden bald ausgedient haben. Fotos: teilAuto.
Person mit Mobiltelefon

Schaden und Zahlen


Selbstverständlich sind Leihautos versichert, in der Regel über die Haftpflicht hinaus durch eine Teil- und Vollkaskoversicherung, häufig ist auch ein Pannenschutz organisiert. Dennoch wirken die entsprechenden Punkte in den AGB äußerst abschreckend. Die ständig wachsende Zahl der überzeugten „Carsharer“ lässt jedoch darauf schließen, dass hier heißer gekocht als gegessen wird. Nur sollte man dem „Alles easy“, das einem auf den Websites entgegensprüht, nicht einfach blind vertrauen, denn es kann teuer werden: Die Kunden haften mit einer Selbstbeteiligung, die mit 900 bis 1.500 Euro zu Buche schlägt. Dabei gibt es die Möglichkeit, das Risiko durch eine Art Schutzbrief auf einen verhältnismäßig geringen Betrag zu senken. Unter den Anbietern in der Übersicht ist es lediglich bei Stadtmobil möglich, den Betrag auf null zu senken. Dieser Festbetrag wird jährlich, monatlich oder pro Fahrt erhoben. Ab wann eine Beschädigung zu einem Schaden wird, wird selten deutlich. book-n-drive beispielsweise hat explizit im Preis eine „faircrash“-Kleinschadenkulanz inbegriffen, die Macken abdeckt: Hier muss man nicht befürchten, dass bei einer Schramme an der Tür gleich die Lackierung angerechnet wird. Auf anwaltsauskunft.de wird darauf hingewiesen, dass ein Carsharing-Anbieter seinem Kunden nachweisen muss, dass er den Schaden verursacht hat.

Gut für die Umwelt?


Wer ein Auto besitzt, hat laufende Kosten, auch wenn er es stehen lässt. Das führt dazu, dass er es auch für Fahrten nutzt, die er eigentlich mit dem Bus erledigen könnte, weil er dafür ja zusätzlich zahlen müsste. Für einen geliehenen Wagen hingegen fallen Kosten nur bei der Nutzung an, weshalb viele Menschen flexibler zwischen Bus, Fahrrad und Auto wechseln oder Mehrpersonen-Haushalte zumindest auf den Zweitwagen verzichten. Das bedeutet einen Beitrag zum Umweltschutz. Kritiker merken hingegen an, dass Carsharing für viele Menschen nicht die Alternative zum eigenen Auto, sondern zum ÖPNV sei.

Tatsächlich stehen Privatautos die weitaus längste Zeit des Tages herum. Im Vergleich fahren „Shareautos“ deutlich mehr. Zahlreiche Untersuchungen nennen Zahlen, wie viele Privatautos ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt: Vier bis acht sagen die einen, 15 die nächsten, den Anbietern zufolge ist das Verhältnis noch deutlich günstiger. Wie auch immer, sicher ist: Carsharing benötigt weniger Fahrzeuge, sodass weniger Autos produziert werden müssen – wobei die Nutzungsdauer sicherlich geringer ist.

Es ist erstaunlich, wie stark sich bei Carsharing-Anbietern Elektroautos verbreitet haben. Das mag daran liegen, dass die Fahrzeuge eher für kurze Strecken zum Einsatz kommen, wo das leidige Argument der kurzen Reichweite nicht relevant ist. Die bereits erwähnte Studie der Hochschule Hohenheim hat herausgefunden, dass Nutzer sich am ehesten durch elektrobetriebene Fahrzeuge überzeugen lassen. Zudem sei die Nachfrage nach Free-Floating-Angeboten groß – doch hier sind die operativen Kosten für die Betreiber wiederum viel höher.

Sinnvolles Mobilitätskonzept?


Festhalten lässt sich: Carsharing bietet auf jeden Fall ein sinnvolles Mobilitätskonzept vor dem Hintergrund, dass immer mehr Fahrzeuge die Straßen verstopfen, zudem der Parkraum knapp ist und in den Metropolen dringend benötigte Wohnfläche belegt.

Die Übersicht über zehn Anbieter (siehe PDF unten) zeigt die wichtigsten Eckdaten. Die Informationen hat FACTS den Websites entnommen und in einigen Fällen telefonisch erfragt. Zur Wahl des „richtigen“ Anbieters ist eine Aussage nicht möglich. Was nützt es einem Kölner, wenn der „Beste“ in Hamburg wäre? Wer einen Wagen nur für kurze Strecken nutzt, ist mit dem lokalen Anbieter wahrscheinlich am besten bedient. Wer hingegen überregional mobil sein möchte, wendet sich am besten an Flinkster oder erkundigt sich, ob sein lokaler Anbieter eine Kooperation mit der Deutsche-Bahn-Tochter unterhält. Dann ist die Chance groß, dass am Zielort ein Fahrzeug bereitsteht.